Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

Der reichsgrafl. Bentincksche Erbfolgestreit. 301
ten im 15. Jahrhundert noch keineswegs in Deutschland allgemein
anerkannt war, so kann ihre Lehnfolgefähigkeit ebensowenig ent-
schieden gewesen sein. Im 10. Jahrhundert aber, als das römi-
sche Recht allgemein als Grundlage des gemeinen Rechts anerkannt
war, sprachen die Juristen fast durchgängig den Legitimirten die
Suceessionsfähigkeit, sowohl in Lehn als in Erbe, zu2), und die
damit im Widerstreit stehende Bestimmung der inzwischen in Deutsch-
land ebenfalls reripirten libri fcudorum suchte man, wie es bereits
die italienischen Feudisten gethan hatten, besonders durch eine ge-
waltsame und gezwungene Interpretation zu beseitigen, indem man
das Gesetz, welches allen Legitimirten die Lehnfolgefähigkeit abspricht,
nur auf die, welchen durch Resrript die Rechte ehelicher Geburt bei-
gelegt sind, bezog. Allein so fest die überwiegende Mehrzahl der
Juristen des 16. Jahrhunderts auch in dieser ihrer Ansicht waren,
so wenig reichte dieses hin, ein allgemein anerkanntes, feststehendes
Recht zu begründen. Auf dem Gebiete des bürgerlichen Privatrechts
verschwand jeder Widerspruch gegen die Sueeesstonsfähigkeit der
Mantelkinder, wenn auch noch immer die alte Ansicht über die vor-
eheliche Geburt im Volke wurzelte. In Beziehung ans Lehn - und
deutsche Familien - Fideieommißgüter ist sie bis auf den heutigen Tag
Gestritten geblieben. Daß die Juristen, welche keinen Unterschied
zulassen wollten, weil die Legitimirten den ehelich Gebornen völlig
gleich zu achten seien, zu dem Theil des deutschen Volkes, welcher
bei Lehnssnreession vorzüglich betheiligt war, in eine ganz andere
Stellung kamen, als zu dem übrigen, geht schon daraus hervor,
daß in einer großen Menge deutscher Territorien die Gesetzgebung
sich veranlaßt fand, diesen Gegenstand aufzunehmen. Es spricht
sich also zunächst das Bedürfniß aus, zu einem festem Rechtszu-
siand zu gelangen, der der Zeit nicht vorhanden war. Dabei tritt
südlichen Deutschland habe hindeuten wollen, und selbst wohl gar die ent-
gegengesetzte Ansicht gebilligt habe, s. Dieck, Beitr. S. 30; Duplik,
S. 128, erscheint eben nicht sebr wahrscheinlich.
2) Dieck, Beitr. S. 53; Gewissensehe, S. 142; Duplik, S. 132. —
Daß die Ueberemstimmung keine so durchgängige war, wie wohl behaup-
tet wird, und gar manche Juristen sich schon im 16. und 17. Jahrhun-
dert gegen die communis opinio extlävt haben, hat bereits gegen Dieck
Kämmerer in seinen Beitr. z. Lehnrecht, S. 10, und Tabor, in der
Replik, S. 180 ff., nachgewkesen.

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