Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

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Wilda:

als Bastard leben zu lassen, oder ihm die Rechte eines ehelichen
Kindes zu geben, wodurch Gelegenheit zu Ränken und Parteilichkeit
eröffnet werde, die das englische Recht verhindert. Vorzüglich
tadelt er aber, daß das römische Recht die Legitimation in keiner
Weise beschränkt, so daß ein Kind während des größten Theils
seines Lebens ohne väterlichen Schutz gelassen, ans der andern
Seite aber wiederum nach Ablauf einer langen Zeit eine Menge
Kinder legitimirt werden können. Alle diese Unordnungen, wo-
durch ein Schwanken und Unsicherheit der Rrch^-erhältnisse herbei-
geführt wird, werden durch das englische Recht verhütet, indem es
doch zugleich die erforderliche Rücksicht auf die Schwäche der mensch-
lichen Natur nimmt, da es die Kinder als legitim anerkennt, die
zwar außer der Ehe erzeugt sind, deren Eltern aber eilen, den be-
gangenen Fehltritt wieder gut zu machen-, und vor der Geburt des
Kindes sich ehelich verbinden; ein Fall, der sich jedesmal nur bei
einer Geburt ereignen könne. — So viel man daher auch mit Huma-
nität, Christlichkeit u. s. w. von der einen Seite, mit veralteten
Vorurtheilen von der andern, in den Schriften der Beklagten, mit
der vollsten Zustimmung des in allen hier in Betracht kommenden
Rechtsfragen so kurz und bestimmt entschiedenen Michaelis, um sich
werfen mag, so wage ich dennoch, die Ansicht zu haben, daß es
legislativ wohl einer ernsten Erwägung werth sein dürfte, ob dem
römisch-kanonischen Prineip unbeschränkter Legitimationen der Vor-
zug zu geben, oder die Geburt in der Ehe, nach deutsch-englischer
Ansicht, als Erforderniß der Legitimität der Kinder aufzustellen sei.
4. Unfähigkeit der Legitimirten zur Lehnsfolge.
tz. 72.
Im Mittelalter war das Verhältniß der vorehelichen Kinder das-
selbe im Lehnrecht, wie im Landrccht. In den deutschen Lehnrechtö-
büchern fand man es daher für genügend, der unecht Gebornen zu
erwähnen, wozu die Glosse später bemerkte, daß es sich auch auf
die Mantelkinder mit bezöge \). Da die Erbfähigkeit der Legitimir-

1) ,,Ex boc textu notant doctores, quod legitimati p. s. malr. secundum
jus feudale Saxonicum non possint succedere in lendum." Daß bet
Glossator auf eine Verschiedenheit des sächsischen Lehnrechts von dem im

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