Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

Der reichsgrast. Bentincksche Erbfolgestreit. 203
ziemlich vollständig bekannt gewordenen Sammlungen des kubischen
Rechts etwas über die Unwirksamkeit der Legitimation durch nach-
folgende Ehe enthält, sondern man sich durch die Bestimmung,
welche die unächtcn (,,von einer Amyen") gebornen Kinder für erb-
los erklärt'"I, auch befugt hielt, den Vorkindern, bei nachmals er-
folgter Ehe, die Erbberechtigung abzusprechen; ein Beweis, wie
sich der deutsche Begriff der unehelichen Geburten bis über die Zeit
der Reformation hinaus behauptete. Und daß dieses nicht etwa nur
in dem beschränkteren Rcchtögebiete, welchem die bisher angeführ-
ten Gesetze und Rechtssprüche angehören, der Fall war, kann schon
daraus entnommen werden, daß noch in der, dem Ende des 16.
Jahrhunderts ungehörigen jüngsten StadtkündigungvonHannover")
auch eine Bestimmung aus einer Verordnung Herzog Heinrich Julius
von Braunschwcig vom I. 1593 "-) ausgenommen wurde, worin es
allgemein verboten wurde, ,,Coneubinen oder andere Weibs Perso-
nen, so ihn nicht öffentlich durch einen Priester in der
Gemeine Gottes gegeben worden, heimlichen oder öffentli-
chen Beilagers halben zu halten, viel weniger die außer der Ehe
erzcugtenKinder per 8nl,8nguon8 matrimonium oder in andere Wege
(den Lehn Herren oder rechten echtgebornen Agnaten und Mitbelehn-
ten zum Nachtheil) zu legitimiren verstattet sein sollte." Endlich
behauptet ein Schriftsteller des 16. Jahrhunderts ganz allgemein,
„daß nach Weichbild, magdeburgischem und sächsischem Rechte, die
vorerzeugten Kinder durch die nachfolgende Ehe nicht ehelich gemacht
werden, daß sie ihres Vaters Erbe nehmen können'")."
§. 71.
Es ergibt sich aus diesen geschichtlichen Nachweisen und dem
ganzen Zusammenhang der Sache aber :

80) Das alt kubische Recht, hcrausg. v.Hach (Lübeck, 1839), Cod. II. art. 7-
S. 219.
21) Bei Puffendorf, Observ., t. IV. app. p. 225.
22) Die, auch in Beziehung auf die Trauung beachtenswerthe Verordnung
des Herzogs Heinrich Julius findet sich auch in P fe ffi n ge r, Vitr. il-
lu.str., t. III. p. 1305. Vgl. auch Dikck, Beitr. S. 294.
23) Schubäus, kurzer Bericht von der Erbschaft, so einer ohne Testament
verstirbt, aus allgemein Keyserlichen, Sächsischen, Lübischen, Culmischen
Rechten und Statuten gezogen u. s. w. 1597. C. XI. p. 33.

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