Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

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Wilda:

daß Kläger ,,sich des väterlichen Erwes na Holsten-Rechte und
Landes gebrücke nicht to nnnerwinnen, dewyle elnne syne Moder
tweene Jahre tovorne gebaren, also dorch der billige Ehe gcechtct
sey." — Im Bergedorfschen (bei Hamburg) ward im I. 1529 den
Landleuten ,,als ein alt Landrecht gefunden, unde afgesagt, dat de
echte den echten, unde de unechte den unechten nicht erben möge,
und Bickens Webben Half Brodcr nähere sy, dat Erwe sincö Half-
Broders to nehmen, als Bickens Webbenö Sohne, also he
vor der Echte gebaren, solches bcgerende is J7)." Im Jahr
1534 bestätigte der lübischc Rath ein zu Stralsund gesprochenes und
gescholtenes Urtheil, wodurch ein vor der Ehe gebornes Kind von
der väterlichen Erbschaft ausgeschlossen wurde l8). Es wurde des-
halb an das Kammergericht appelirt, doch ist der Erfolg nicht be-
kannt geworden, wiewol es nicht so unmöglich scheint, daß eine
Reformation dort erfolgt sein mag, weil wir ja wissen, wie es
oftmals geschehen, daß Urtheile nach den Grundsätzen des lübischen
und deutschen Rechtes gefunden, nach den Normen des römischen
Rechtes geändert worden sind, was zu einer bittern Beschwerde ge-
gen das Kammergericht, im I. 1555, Veranlassung gegeben ''H.
Der in Stralsund und Lübeck ergangene Spruch ist aber für unseren
Gegenstand um so beachtenswerther, weil keine der uns jetzt so

17) Dreyer, Nebenstunden, S. 297.
18) „So erkennt — heißt es in demselben — der Rath den Ehestand bey
Löven und Würden. Aber dieweil das Kind vor der Echte nicht aus
einem ehelichen Brautbette gebohrcn, so wäre es unbequeme nach Stadt-
recht Erbe zu nehmen." S. Dreyer, a. a. O. S. 301. — Dreyer
erwähnt in s. Einleitung z. den lüb. Verordnungen, S. 296, und in s.
Nebenstunden, S. 298, eines am Abend Laurentii 1505 nach Reval er-
gangenen Urthcils, angeblich des Inhalts, „daß ein wanbördig gebornes
Kind, der erfolgten Ehe seiner Eltern ungeachtet, seiner Geburt wegen
nicht Erve bören könne;" allein das Urtheil, welches jetzt Michelsen:
der Oberhof zu Lübeck (Altona, 1839), S. 333 , mitgetheilt hat, geht
dahin: daß eine unehelich gcborne Mutter ihren unehelichen Sohn nicht
beerben könne.
19) S. das Schreiben d. Raths zu Lübeck an d. RKG. b. Dreyer, Einl.
S. 310: — in Fallen und Sachen, darin wir nach unsre Stadt Lubsch
Recht und löbliche Gewohnheit geurtheilt haben — dieselbe Urtheile con-
firmiren und uns darüber mit Kayserliche Rechte, die wir nicht ertragen
mögen, nicht beschweren lassen.

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