Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

Der reichsgräfl. Bentincksche Erbfolgestreit. 291
culmische Recht'") zeugt, der zufolge wohl durch Reseript, aber nicht
durch die Ehe der Eltern, den einmal unecht Gebornen Rechte ehelicher
Kinder, jedoch auch keineErbrechte zumNachtheil rechtgebornerErben
zu Theil werden konnten. Aus den friesischen Gegenden, namentlich
den nordfriesischen, dem Holsteinischen und dem Gebiete des lübischen
Rechts, lassen sich aber dergleichen Urthcile und Gesetzesbestimmun-
gen noch auS dem 15. und 16. Jahrhundert Nachweisen "). In
der Landschaft Ditmarschen kam 1488 die Beliebung zum Vorschein:
Effte ein Mann ein kind tügete mit der Fruwen, ehe se tho sinen
echten Bedde gekamen, bat kint mag des Baders Erwe nicht mächtig
syn, wen gelike de Moder to des Mannes echten Bedde gekamen.—
In dem nordstrander Landrccht heißt es (Art. 43) ' ">): ,,Unechte Kinder
sind nach diesem Landrechte erflos, wenn ock schon de Moder darum
mit densülven, dar se dat Kind mede gehabt, sick verelichen wür-
de" Bei dem neumünsterschen Göding erging 1494 dasUrtheil,

13) Das altkulmische Recht (herausg. v. Lernen , Berl. 1838. p. 134):
Eyn man sitze myt einer vrouwen dy nicht syn elich wib ist und
gewynne kynder myt yr. und Iisse vm dyselbe vrouwe truwen. und
gewynne ouch kindir myt yr. Und dy irsten kinder wurden elich ge-
macht von bobeste adir von deine keyser. Der man der stürbe dor-
noch. so mochten dy irsten kyndir nicht teyl genemen myt den letz-
ten kynden. Das nicht fehlt indeß nach Bemerkung des Herausgebers
in einigen Handschriften; so auch in dem Schöffenurtheil, woraus diese
Stelle entnommen ist, so wie es bis jetzt bekannt geworden ist. S. Dieck,
S. 33. Beachtenswerth ist es, daß selbst Geistliche nur eine bedingte
Wirkung der Legitimation in Anspruch nahmen, und keineswegs das
kanonische Recht in seinem ganzen Umfange geltend machten. So heißt
es in der Sumina des Prediger Mönches Johannis, der im 14. Jahr-
hundert im Breisgau lebte, daß die durch Ehe legitimirten ihrer Eltern
Erbe nur nehmen sollten „esst de ekleren nicht ander erve hebben de
mer rechtes dar to hebben.“ S. Grupen, Uxor theod. p. 261.
14) Vgl. Dreyer, Abhandlung über die Wirkung der Legitimation u.s.w.,
in seinen Nebenstunden S. 259, woraus die folgenden Angaben entnom-
men sind; seit dem 16. Jahrh. hat sich dieses geändert, s. Dieck, Ge-
wissensehe, S. 207; Duplik, S. 175.
15) Dreyer, Abhandlung, Bd. 1. S. 507.
16) Dreyer, Nebenstunden, S. 299 , theilt auch ein von dem Harden-
gericht im Nordstrand 1542 ergangenes Urtheil mit, wodurch eine Tochter,
die 10 Jahre vor der Ehe ihrer Eltern, nachdem diese 20 Jahre mit ein-
ander verheirathet gewesen, weil sie, ehe ihre Eltern sich geehelicht hatten,
geboren war, erblos getheilt wurde.

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