Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

Der reichsgräfl. Bentincksche Erbfolgestreit. 283
der außerehelichen Geburt verbundenen Nachtheil erklärt haben, so
stand doch noch die Rechtsverfassung in den meisten deutschen Län-
dern damit in offenbarem Widerspruch, wie z. B. zeigt, daß im
10. Iabrb. das Recht des BastardcnfallS vom Kaiser noch Ständen
des Reiches Verliehen und in den folgenden noch in vielen Ländern
geübt wurde Z. Viel länger hat es aber noch gedauert, ehe die Be-
griffe des römischen Rechtes im Bewußtsein des Volkes Wurzel schlu-
gen. In den später« Zeiten des 18. Iahrh. sagt noch von Selchow3 4 5):
,,Jam quamquam nulli omnino dubio abnoxium sit, bas ipsas ve-
terum de spuriis opiniones ab omni aequitatis sensu quam longis-
sime abesse, eonstantissimo tarnen lori usu servata est, pristini
juris disciplina.“ Er führt dann an, daß unehelich Geborene nicht
Assessoren beim Kammergericht, nicht Mitglieder des Reichshofraths
werden konnten, daß sie in manchen Territorien zur Erwerbung
des Richteramtes unfähig waren Z, ja in manchen Städten zu der
des Bürgerrechts 6 7). Die Volksthümlichkeit jener Vorstellung zeigt
sich aber besonders in der nicht bloß partieulären Ausschließung von
den Zünften, so daß es noch im I. 1731 eines Reichsgesetzes be-
durfte, um den Widerstand zu heben, den die Zünfte der Aufnahme
selbst der durch nachfolgende Ehe Legitimirten, wenn sie vor der
Trauung geboren waren, entgegensetzten'). — Noch später schrieb

3) S. bes. von Günderode: über d. Rt. einiger deutschen Stände, die
in ihren Ländern sterbenden unehelichen Kinder zu beerben, in dessen
Werken, Bd. 2. S. 176 ss. Pu ffen dorf. , Obss. II. , obs. 2; 111.
obs. 13. — 1518 verlieh der K. Maximilian dem Kurf. v. d. Pfalz
dieses Recht, und so auch der Stadt Uebcrlingen. 1611, 29. November,
wurde die Ausübung vom Markgraf Georg Friedrich von Baden von
Neuem feinen Beamten eingcschärft, und im Hcrzogth. Bremen und
Verden erschien sogar 1710, 28. Nov., deshalb noch eine neue Ver-
ordnung.
4) De Selchow, Diilerentia juris Rom. et Germ, circa infamiam sistens
§. 13. in den Electis juris Germ. p. 475.
5) Jülich und bergische Rechtsordnung, C. 2.
6) Statuten von Mühlhausen, B. 1. Art. 81. So auch u. A. noch
ist dasselbe verordnet in den Statuten u. Ordnung des Raths der Stadt
Zelle, Art. I. §. 3, in Puffendorf. obs. T. I. p. 225: Statu-
ten d. Reichsst. Kaufbeuern (aus dem 18. Iahrh.), Art. 20, in
Walch, Bcitr., Bd. 3. S. 317.
7) D ie ck, Beitr., S. 42, will in diesem Gesetz den Sinn finden, als habe
man „dadurch jede Spur der Anrüchtigkeit der Unehelichen völlig auf-

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