Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

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Wilda:

trug, indem sie nämlich für die Lebensdauer geschlossen war, ent-
sprungen, als Ehekindcr betrachtet werden konnten, ohne jedoch aller
Rechte, als wären sie aus einer rechten Ehe hervorgegangen, theilhaft
zu werden. Es ist natürlich, daß die Beklagten es nicht wollen gelten
lassen, daß auch diejenigen Verbindungen, die sic unter dem Namen
Gewissensehe begreifen, insofern man ihnen überhaupt in unfern pro-
testantischen Staaten eine Rechtswirkung beilegen wollte, dahin zu rech-
nen seien. Zu heftigem Widerspruch hat sie daher eine Erklärung Z a ch a-
r i ä ’ 6 J) gereizt, der seine, namentlich in der cste'schcn Sache ausgespro-
chenen Ansichten in Beziehung auf vorliegenden Fall dahin näher be-
stimmt hat: ,,daß zwar die Mitglieder aller fürstlichen und gräflichen
reichsunmittelbaren Geschlechter, welche zur protestantischen Kirche
gehörten, an keine Form bei Eingehung ihrer Ehen gebunden wa-
ren und daher auch «olo consensu Verbindungen begründen konn-
ten , die beide Thcile zur gegenseitigen Leistung aller Verbindlichkei-
ten und zwar lebenslänglich verpflichteten, welche ein Ehegatte ge-
gen den andern auf sich hat, die aber noch nicht an sich alle recht-
lichen Wirkungen hervorbrachten, die eine andere förmlich abge-
schlossene Ehe hat, und insbesondere nicht den K indern dieser Ehe alle
Rechte ebclicher Kinder crtheilte, so daß es vielmehrjedesMalvondcr
Willkür der Parteien abhing, die Wirkungen einer solchen Gewis-
sensehe näher zu bestimmen, daher denn in jedem einzelnen Fall,
die Frage, ob eine solche Ehe eine vollwirksame sei, eine nach
Maßgabe der unter den Eheleuten getroffenen Uebereinkunft zu beant-
wortende quaestio facti sei."
Die Beklagten -) wollen diese in so eigenthümlicher Weise mo-
difieirte Ansicht von der Vollwirksamkeit der Gewissensehe aber des-
halb nicht gelten lassen, weil sich daran die Behauptung schließt, es
habe der Graf Gustav Friedrich von Bentinck bei Abschließung der
Gewissensehe mit der Geldes, zufolge seiner abgegebenen Erklä-
rung, derselben nicht die Wirkung einer rechten Ehe beigelegt.
§. 03.
Ganz im Gegensatz zu dem, was wir bisher besprochen haben,
machen aber die Beklagten den Satz geltend, daß die Legitimität

1) Aachariä, in den Heidelberger Iahrb. v. 1840, S. 13.
2) S. E ck enb erg, Prüfung der Gründe, S. 22.

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