Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

Der reichsgräst. Bentincksche Erbfolgestreit. 26<Z

der, aber sie gehörten nicht zu der Familie. So war das bloße
matrimonium raüim, wie die wegen der Standeöverschiedenheit
ungleiche Ehe, ein modisieirtes Coneubinat im altern Sinne. Es
findet eine gewisse, selbst in der angedeuteten Weise historische Ver-
wandtschaft zwischen diesen Instituten statt, die auch von Gratian
bis Luther nicht verkannt worden ist. Wo die Ehe unter das Ge-
setz des Staates kam, wie eS bei den Protestanten der Fall war,
mußte diese Verschiedenheit folgerechterweise aufhören; doch ist sie
wenigstens in der Theorie nicht sogleich ganz verschwunden, wozu
die fortwirkende Vorstellung vom Eoneubinat im altern Sinne, die
Grundsätze des kanonischen Rechts, die, obgleich deir Prineipien
des Protestantismus widerstreitend, noch eine gewisse Herrschaft
behaupteten, das Ihrige mit beitrugen. An die Stelle der kirch-
lichen und weltlichen Ehe wurde nun die Unterscheidung, welche
auch schon den Scholastikern nicht fremd geblieben war, zwischen
bürgerlicher und natürlicher, nach dem Moralgesetz verpflich-
tender Ehe, Gewissensehe (zu welcher die heimliche Ehe, eben weil
sieden Anforderungen der bürgerlichen Rechte nicht entsprach, gerech-
net wurde) gesetzt. Die Auffassuug war aber eine verschiedene:
a) nach Luther erzeugt sie bloß Pflichten für die Contrahenten, keine
andere Ehe einzugehen, sich treu zu bleiben; der Staat braucht einer
solchen Verbindung aber keine Rechte einer wahren Ehe zuzugestehen,
bis sie ordnungsmäßig in eine solche verwandelt wird, und kann sie
selbst als unerlaubten Geschlechtsumgang bestrafen, b) Spätere
Theologen, denen Göschel sich anschließt, sind darin vonLuther abge-
wichen, daß sie dem Staate diese Befuguiß absprcchen, folgeweise, da ja
keine Verheirathung des einen oder anderen Theiles ohne Scheidung
gestattet werden soll, den Staat nötoigen, die mit Umgehung seiner
Gesetze geschlossene Verbindung in Schutz zu nehmen, wiewohl sie
sonst mit Luther wegen der Wirkung einer solchen Ehe vor Gott
einverstanden sind. Sie haben daher zweierlei Ehen, ohne daß sie
zwei äußere Autoritäten in Ehesachen, wie die Katholiken, Kirche
und Staat annehmen, wieder znrückgeführt und, ohne den sacra-
mentalischen Charakter der Ehe anzuerkennen, den Befugnissen des
Staates engere Grenzen gesetzt.
Unseren Rechten war also der Gedanke geläufig geworden, daß
Kinder, aus einer Verbindung, die bas Hauptmerkmal der Ehe

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