Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

Der reichsgrast. Bentincksche Erbfolgestreit. 229
angeordnet worden war und folgeweise eben so von ihm beschränkt
und aufgehoben werden könne. Es ist dieses die vorherrschende
Theorie geworden, zu welcher selbst I. H. Böhmer sich bekannt
hat! Als nun vollends im vorigen Jahrhundert die herrschende
Philosophie es begünstigte, die Ehe als einen rein eivilrechtlichen
Vertrag aufzufassen, so mußte die Ansicht, daß, nach dem Rechte
der Vernunft, die Ehe durch bloße Einwilligung begründet werde,
wie römisches und kanonisches Recht schon gelehrt haben sollen, daß
die Trauung nur eine willkürliche Zuthat des positiven Rechts, ein
Neberbleibsel von der katholischen Ansicht vom Saeramente der
Ehe sei, wie Einige lehrten, um so mehr Anhänger gewinnen.
So möchten sich allerdings aus allen Jahrhunderten seit der Re-
formation Autoritäten Nachweisen lassen, welche in der Trauung
nur einen löblichen, aber a) durchaus nicht juristisch nothwendigen,
I») oder nur einen partieularrechtlich erforderlichen, aber ohne be-
sondere Androhung dennoch keine Nichtigkeit der Ehe begründenden
Gebrauch sahen"); c) andere, welche dafür hielten, daß die Trau-
ung in dem protestantischen Deutschland ein gemeinrechtliches, je-
doch nur von der Staatsgesetzgebung ausgegangenes, ihrer freien
Bestimmung unterworfenes Erforderniß der Ehe ja8 9 10), 6) während
es auch nicht an Stimmen selbst unter den Juristen älterer Zeit ge-
fehlt hat, welche den Grund der gesetzlichen Sanetion oder Beobach-
tung der Trauung, wo es an dergleichen fehlte, in dem Willen
Gottes, wie er sich nach der Lehre der Reformatoren in den heiligen
Schriften kund gegeben Halle, gefunden haben"). Während so

8) In neuerer Zeit, wo sich nur wenige Vertreter dieser Ansicht noch fin-
den mögen, gehörte dahin besonders Klüber, dem sich dann Michae-
lis angeschlossen hat. Schriftsteller, welche sich früher dazu bekannt
haben, hat Erstercr angeführt in seiner rechtlichen Ausführung, S. 43,
und in seinen Abhandlungen, S. 107. Wenn aber sogarCarpzov mit auf-
gezähet ist, so sieht man wohl, daß es gerathen ist, sich zu überzeugen, mit
welchem Recht ein jeder der Genannten die Verantwortlichkeit für die
ihm zugeschriebcne Ansicht zu tragen hat.
9) Vgl. die Anführungen bei Klüber, rechtliche Ausführung, S. 44.
Diese, wie erwähnt, selbst durch das Ansehen I. H. Böhmer's und auch
G. L. Böhmer's getragene Lehrmeinung hat sich auch Dieck zu eigen
gemacht.
10) Außer Carpzov möge hier besonders noch Schilt-er erwähnt werden,

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