Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

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Wilda:

und dergleichen lasse ich Herren und Rath schaffen nnd machen, wie
sie wollen; es gehet mich nichts an. Aber so man an uns begehret,
vor der Kirche oder in der Kirche sie zu segnen, über sie zu beten,
oder sie auch zu trauen, sind wir schuldig, dasselbige zu thun."
Man hat die Bezeichnung des Ehestandes als eines weltlichen
Geschäftes mißbraucht, um Luther eine Ansicht unterzuschicbcn, die
ihm sebr fern lag; er hat die Ehe so wenig für einen weltlichen Ver-
trag in dem Sinne, wie es wohl jetzt verstanden wird, angesehen,
als er sie als Saeramcnt betrachtete, und keineswegs war eö seine
Meinung, daß die Ehe nicht in einer kirchlichen Weise brauche einge-
gangen zu werden. Es widerspricht dieses sowohl seiner ganzen Auf-
fassung der Ehe als einer Ordnung Gottes und eines seines beson-
der» Segens und seiner Obhut und Leitung bedürftigen Standes,
als insbesondere seiner obigen Aeußerung,'wo er die Eingehung der
Ehe der Weihe der Mönche und Nonnen und der Ordination der Geist-
lichen zur Seite stellt. Aber der weltlichen Obrigkeit ist die Hand-
habung der göttlichen Ordnung überlassen, und ihre Pflicht ist es,
Bestimmung über die Ehe zu geben, die deren Wesen, wie es sich
nach Lnther'ö Ansicht aus der Schrift hervorstellt, gemäß ist. Die
Geistlicheir haben sich demgemäß zu verhalten, ihres Amtes zu
warten, zu rathen, und durch Lehre darauf hinzuweisen, was
Gottes Wort fordert^). Es ist auch dabei wohl auf die Verschie-
denheit zit achten, daß, wenn Luther fordert, daß eine jede Ehe in
conspectu ecclesiae vollzogen werden sollte, er dieses nur der Hei-
ligkeit des Ehestandes wegen verlangte, während man in der katho-
lischen Kirche, wie sich oie Sache später gestaltete, mehr vor Augen
hatte, daß die Kirche die Controle und Jurisdiction über die Ehen
tlichl verliere. Darum war ihr auch mehr an dem Aufgebot, an
der Erklärung des Eheeonsenses vor einem Pfarrer, als an dem Kir-
chengang, der Benedietion u. s. w. gelegen.

7) Es kann rücksichtlich dessen, was die Ansicht der Reformatoren über
das Wesen der Ehe und ihr Verhältniß zur weltlichen Gesetzgebung und
Gerichtsbarkeit betrifft, auch aus die Entwicklung des Verfassers der vor-
stehenden Abhandlung über die lutherische Kirchenvrrsassung, der als ein ausge-
zeichneter Kenner des Kirchcnrechts bekannt ist, besonders auf S. 21 ff. verwie-
sen werden. Und es war mir ein freudiges Begegnen, nicht nur auf demselben
Felde, sondern auch in der Auffassung mit ihm zusammengetroffen zu sein-

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