Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

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Wilda:

geschehe in Gottesfurcht. Die Mönch verdammen solches alles, auch
die Hochzeit selbst, welche doch nicht sogar umb der Gewohnheit und
Wollust willen allein begangen wird, als umb des Endes und Nu-
tzens willen des Ehestandes, nämlich der Haushaltung, weltlichen
und Kirchenregimcntö, welche alle aus dem Ehestande Herkommen,
zu Ehren, und ist die Hochzeit zudem allgemeine Bereitung und An-
leitung 3 4)."
e) Indem Luther in dieser Weise auch die weltlichen Hochzeit-
seierlichkeiten, wie sie bei dem Volke üblich waren, zugleich fast in
allen germanischen Ländern und Gemeinden zu manchen dabei vor-
kommenden Mißbräuchen Veranlassung gegeben, tu so fern sie mit
Anstand und Mäßigkeit begangen würden, nicht nur zulässig, son-
dern selbst der Sache angemessen erklärt, so hält er es doch um
so mehr für nothwendig, daß der Ehestand als ein göttlicher
Stand mit Gebet und Gottesfurcht begonnen werde und eine kirch-
liche Weihe empfange:
„WeilH man denn bisher mit den Mönchen und Nonnen so
tresiich groß Gepränge getrieben hat in ihrem Einsegnen, so doch ihr
Stand ein ungöttlich und lauter Menschengedichte ist, das kein
Grund in der Schrift hat; wie vielmehr sollen wir diesen göttlichen
Stand (der Ehe) ehren und mit viel herrlicherer Weise segnen, beten,
zieren? Denn ob es wohl ein weltlicher Stand ist, so hat er dennoch
Gottes Wort vor sich und ist nicht von Menschen erdichtet oder ge-
stiftet, wie der Mönch - und Nonnenstand. — Auch darum soll er
heilig gehalten werden, daß diesen Stand das junge Volk lerne mit
Ernst ansehen und in Ehren halten und nicht so schimpflich dabei
seine Narrheit treibe mit Lachen, Spotten und dergleichen Leichtfer-
tigkeiten, so man bisher gewohnt gewesen, gleich als wäre es ein
Scherz - oder Kinderspiel, ehelich zu werden oder Hochzeit zu machen.
Die zum ersten gestiftet haben, daß man Braut und Bräutigam zur
Kirche führen soll, Habens wahrlich für keinen Scherz, sondern für
einen großen Ernst angesehen. Denn es kein Zweifel ist, sie haben
damit den Segen Gottes und gemeine Gebet haben wollen und keine
Lacherei oder heidnisch Affenspiel treiben." „Derohalben — (weil

3) Auslegung des 1. B. Moses, a. a. SD., S. 075 , vcrgl. auch S. 085
und 684.
4) Vorrede zum Traubüchlein, 1546,

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