Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

Der reichögräst. Bentincksche Erbfolgestreit. 207
das römische Recht gibt, und aus der die des kanonischen Rechte-
wesentlich entnommen, ist ihm unbefriedigend, daß sie nichts wei-
ter sei, als „daß ein Ehestand sei, wenn Mann und Weib zusam-
men kommen," während nach seiner Ansicht die Erklärung dahin
lauten sollte, „wo Mann und Weib göttlich und ordentlich
werden z u sa m m e n g e f ü g t" und der Zweck der Vereinigung ein
Zusammenleben nach der Ordnung und dem Willen Gottes ist.
„Der Ehestand ist, wo Mann und Weib zusammengefügt
werden und bei einander leben, also daß sie sich nicht müssen von
einander scheiden in diesem Leben. Aber diese Beschreibung des
Ehestandes ist nicht vollkommen und genügsam, denn es ist dabei
noch nicht die redliche Ursache und auch allein die causa materialis
(wie man's in den Schulen nennt) darin angezogen, denn daß
Mann und Weib zusammengefügt werden, das ist die Materie.
Diese Definition ist aber besser und vollkommener, wenn man also
sagte: „der Ehestand ist, worin Mann und Weib ordentlich
und göttlich zusammengefügt werden, welches dazu verord-
net ist, daß man Gott in dem Stande soll anrufen und Kinder
erhalten und aufziehen, das Kirchen- und Weltregiment zu ver-
walten" °).
b) In Verbindung mit dieser Erklärung gegen die Auffassung
der Ehe als eine natürliche, bloß durch den Willen begründete
Vereinigung, bei welcher alles Uebrige und insbesondere die Art,
wie die Vereinigung eingegangen wird, nur als außerwesentlich an-
zusehen ist, steht auch die Aeußerung:
„Die Juristen und Kanonisten gemeinlich allzumal6 7) sind der
Meinung, daß die Substanz und das Wesen der Ehe sei des Bräu-
tigams und der Braut Bewilligung, aber der Eltern Gewalt und
Macht sei nur ein Arridens, ein zufällig Ding, ohne welche die
Ehe wohl sein könne, darum soll man die Substanz, das Wesen,
um des Arridentis, zufälligen Dinges wegen nicht stören und
wehren. Dasselbige weiß ich wohl, daß die Bewilligung eine Sub-
stantia und der Ehe Grundveste ist, denn wo keine Liebe und Be-
willigung ist, da muß eine unselige Ehe sein.-Gott hat

6) A. a. O. S. 855.
7) Luther's Tischreden. Von der Ehe. Nr. 88.

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