Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

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Wilda:

neben sich duldete, nicht von den Parteien aufgelöst, nicht von der
weltlichen Obrigkeit für nichtig erklärt werden konnte. Auch mochte
über diejenigen, die sich eines bcfondern Ungehorsams, wo etwa
bestimmt gebietende oder vorbereitende Gesetze bestanden °), schuldig
gemacht, wohl Strafen verhängt werden können, ohne dasi das
Recht der Kirche hier entgegenstand, wenn dadurch nur das Saera-
ment der Ehe, die Unauflöslichkeit derselben nicht angegriffen
wurde. Diese Lehre hat keine geringere Autorität, als die des ka-
nonischen Gesetzbuches selbst für sich, da Gratian6 7) die derselben
zu Grunde liegende Ansicht selbst entwickelt hat. Hegiiimurn con-
jugium — sagt er — est quod legali institutione vel provinciae
moribus contrahitur. Hoc inter infideles ratum non est, quia
non est firmum et inviolabile conjugium eorum. — Inter fidft-#
les vero ratum conjugium est, quia conjugia semel inita inter
eos solvi non possunt. Horum quaedam sunt legitima vcluti
cum uxor a parentibus traditur, a sponso dotatur et a sacer-
dote benedicitur. — Haec talia conjugia legitima et rata appel-
lantur. Illorum vero conjugia qui contemtis omnibus illis so-
lemnitatibus solo affectu aliquam sibi conjugem copulant, hujus
modi conjugium non legitimum sed tantum modo ratum cre-
ditur.
Wenn auch nachmals in den Deereten der Päpste ein so be-
stimmter Ausspruch, daß eine kirchlich giltige Ehe an sich noch
keine weltlich vollwirksame ist, nicht gefunden wird, man sich nicht
geneigt sinden mochte, das beiderseitige Gebiet so bestimmt zu be-
grenzen, vielleicht wohl auch die Neigung geherrscht hat, einem
jeden matrimonium ratum auch die Geltung eines legitimum zu
verschaffen, so findet sich aber auch nichts, was jener Lehre Gra-
tian's entgegengesetzt worden wäre, eine Mißbilligung derselben
ausgedrückt hätte. Vielmehr läßt es sich Nachweisen, daß da, wo
die Kirche der weltlichen Macht gegenüber den Umfang ihrer An-
sprüche in dieser Hinsicht genauer anzugeben genöthigt war, sie die
bezeichnten Grenzen nicht überschritt; denn als Ludwig XIII. die

6) So war selbst in Spanien nach dem Fuero real. (Madr. 1547) III. I.
fol. 107, eine Strafe von 100 Maravedis auf die Eingehung einer heim-
lichen Ehe gesetzt.
7) Diot. Grat. c. 17. Aa conjugium sit iuter infideles, XXVIII. q. 1

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