Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

Der reichsgräfl. Bentincksche Erbfolgestreit.
sind es, welchen wir noch unsere Gewissensehen zu verdanken
haben!
Aber auch äußere Gründe haben, wie ich glauben möchte,
mitgewirkt, um die Kirche zur Tolerirung der Ehen, welche ohne
Beobachtung der von inr gegebenen Vorschriften eingegangen waren,
zu bewegen. Wir haben gesehen, wie die Völker, und insbesondere
die germanischen Stammes, an den volksthümlichen Gebräuchen bei
Eingehung ihrer Ehen festhielten, während das ganze Mittelalter
hindurch in Beobachtung der kirchlichen Vorschriften eine gewisse
Willkür herrschte, so daß man bald die Benediction der Vollziehung
der Ehe vorhergehen ließ, bald sie erst nach derselben stattfand, oder
wohl auch ganz unterblieb. Einer Indifferenz der Kirche kann
wohl weniger die Schuld davon beigemessen werden, als der
Schwierigkeit, ihren Geboten eine strenge Befolgung zu sichern.
Sehen wir doch noch im 15. Jahrhundert, daß der Magistrat einer
deutschen Stadt sich der auf allgemeine Kirchengesetze gestützten,
von den kirchlichen Oberen den Ortögeistlichen gegebenen Vorschrift,
darauf zu halten, daß einer jeden Ehe die gehörigen Aufgebote
vorhergehen möchten, geradezu widersetzt")! Eine sehr große
Zahl von Ehen, welche in einer Weise eingegangen waren, daß
ihnen nach Landes- und Ortsrechten die Anerkennung als vollwirk-
same Ehen nicht verweigert werden konnten, waren nicht in facie
ecclesiae geschlossen, waren im eigentlich kanonischen Sinne heim-
liche Ehen. Die Nichtigkeitserklärung aller dieser Ehen möchte
Kämpfe hervorgerufen haben, welche die Kirche wohl zu vermeiden
gerathener halten mochte. Von der Befolgung der durch weltliches
Recht und Sitte gebotenen Formen den Bestand der Ehen ausdrück-
lich abhängig zu machen, ihre rechtliche Bedeutung daher der kirch-
lichen voranzustellen, dazu mochte man sich aber gewiß auch nicht
bequemen, indem man wohl fürchtete, die Ehesachen dadurch wie-
der zu sehr zum Gegenstand der weltlichen Gerichtsbarkeit zu ma-
chen. Wie man hierüber dachte, ergibt auch eine merkwürdige Ver-

vilis, sed naturalis est contractus, qui simul est hunc quidem con-
tractus civilis illinc vero sacramentum. — Itaque sublato etiam civili
contractu integrum tamen est sacramentum, quod ab illo non pendet
et quod suam habet materiam contractu naturali.
14) S. oben S. 185.

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