Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

Die Grundlage der lutherischen Kirchenverfajsung. 15

daß sie neben den Frommen auch die falschen Christen und Heuchler
und Sünder in sich enthalte, jene als die lebendigen, diese als die
todten Glieder, welche durch die in die Kirche gelegten Thätigkeiten
zu rechtem Leben gebracht werden sollen. In dem Begriffe dieser
Kirche also liegt es, daß in ihr Organe bestehen, durch welche die
ans die Crhaltnng und Verbreitung der Glaubensgemeinschaft ab.
zielenden Thätigkeiten entfaltet werden , und daß wiederum ein ober-
stes Regiment die harmonische Bewegung dieser Organe sichere. In
erster Beziehung halten die Reformatoren für unbedingt wesentlich,
weil auf göttlicher Anordnung selbst beruhend, das Lehramt, an
dessen Stellung in der Kirche sich mm zunächst unsere Darstellung
anknüpft.

II. Das Lehramt und die Gemeinde.
DerBerufdesLehramtes ist in einer bekannten Stelle der Schmal«
kaldischen Artikel folgendergestalt bezeichnet:
„Evangelium tribuit his, qui praesunt ecclesiis, mandatum
docendi evangelii, remittendi peccata, administrandi sacra-
menta, praeterea jurisdictionem , videlicet excommunicandi
eos, quorum nota sunt crimina, et resipiscentes rursum ab-
solvendi.44
Ihn nennen auch die Bekenntnisse eine Gewalt; doch ist es eben
nur die gewohnte Terminologie des kanonischen Rechts, welche hier
wiederklingt, und so weit sind die Reformatoren entfernt, mit ihr ir-
gend die Vorstellung einer potestas ordinis im Sinne des Kathvli-
ciömus zu verbinden, daß sie vielmehr oft und nachdrücklich den Be-
ruf des Lehramtes als einen Dienst, und zwar einen Dienst, ein
Amt in der Gemeinde bezeichnen. Diesen Charakter, vermöge des-
sen das geistliche Amt die Stetigkeit aller der Thätigkeiten sichern
soll, zu denen der allgemeine priesterliche Beruf jedes wahre Glied
der Gemeinde berechtigt, bezeichnet z.B. Luther selbst (Werke, Walch.
Ausg. V. 1501)> wenn er sagt:
„Ein jeglicher Christ hat und übet Priesterwerke. Aber über
das ist nun das gemeine Amt, so die Lehre öffentlich führet und
treibet, dazu gehören Psarrherren und Prediger. Denn in der
Gemeinde können sie nicht Alle des Amts gewarten, so schicket sichs
auch reicht, in einem jeglichen Hause zu taufen und das Saera-
ment ;u reichen. Darum muß man Etliche dazu erwählen und ord-

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