Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

Der reichsgräsi. Bentincksche Erbfolgestreit. 163
terliche Ebenbürtigkeit: Successionsfähigkeit in Lehn- und Stamm-
gütern, so wie insbesondere auch der väterliche Adelstand und Fami-
lientitel *)." Dieck weicht indeß darin von Klüber ab, daß er an-
nimmt : wie bei den Katholiken die Erklärung des Eheconsenses vor
Pfarrer und Zeugen zu den nothwendigen Erfordernissen der Rechts-
giltigkeit einer Ehe gehöre, so werde bei den Protestanten dieselbe durch
die Trauung, wo auch diese nicht ausdrücklich bei Strafe der Nich-
tigkeit vorgeschrieben ist, bedingt. Aber da er in dieser nur ein for-
males, auf weltlicher Satzung beruhendes Requisit zur Giltig-
keit der Ehe erkennt*), so soll davon Dispensation ertheilt werden
können, und es so gestattet sein, eine durchaus formlose Ehe, — eine
Gewissensehe, — deren Begriff und Wirkung er ganz so wie Klüber
bestimmt wissen will, einzugehen. Ein protestantischer Landesherr
soll aber ohne Beobachtung kirchlicher oder bürgerlicher Formen,
durch bloßen Consens — indem dabei eine Selbstdispensation anzu-
nehmen ist — eine vollwirkende Ehe schließen können.
§. 4«.
Es ist nicht unwichtig, darauf aufmerksam zu machen, wie die
Gewissensehe sich, wir möchten sagen, in einem unschuldigen Ge-
wände zuerst Eingang verschafft, indem als das einzig specifische Merk-
mal die Unterlassung kirchlicher Förmlichkeiten aufgestellt wird.
Dabei drängt sich gleich der Gedanke auf, oder es wird noch dar-
auf hingewiesen, wie ja nicht allein bei so vielen nichtchristlichen
Völkern, die rechtliche Wirksamkeit und Bedeutung der Ehe nicht
an die Beobachtung religiöser und kirchlicher Förmlichkeiten ge-
knüpft ist, sondern wie auch während des Mittelalters selbst, als
die Kirche auf der Höhe ihrer Macht stand, die vorgeschriebenen
kirchlichen Förmlichkeiten oftmals nicht beobachtet wurden; wie end-
lich ja auch in neuerer Zeit die Gesetze mancher Staaten nur gewisse
bürgerliche Formen, bei einer als rechtsgiltig anzuerkennenden Ehe

3) S. über dieses Alles (Klüber) rechtl. Ausführung, S. 35 — 69; und
ziemlich in gleicher Weise in seiner Deduction über: die Rechtmäßigkeit
und Standesmäßigkeit der Ehe des Herzog von Sussex u. s. w., Ab-
handlung, Bd. 2. S. 106—120.
4) S. bes. Dieck, Gewissensehe, S. 86.

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