Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

Der reichsgräst. Bentincksche Erbfolgestreit. 161

nauern Eingehen in die Sache veranlaßt und hingeleitet sahen, mag
wohl mit dazu gewirkt haben, daß man sich nicht einmal zur Klar-
heit gebracht und darüber geeinigt hat, was unter den Namen Ge-
wissensehen zu befassen ist. Unseren Rechtsquellen ist der Ausdruck
Gewissensehe (matrimonium conscientiae) durchaus fremd. Er ist
offenbar an die Stelle von heimlicher Ehe getreten, von welcher so-
wohl die kanonischen Rechtsquellen, als die Schriften der Reforma-
toren und die protestantischen Kirchenordnungen reden. In diesem
Sinn haben manche Juristen *) auch die Gewissensehe erklärt, so z.
B. Hert: matrimonium conscientiae: conjugium inaequale quod
clam et sine solennibus concubitus mutuaeque cohabitationis
causa contractum, sola conjugium fide sustinetur. Cs sind drei
Momente, die in dieser und andern ähnlichen damit mehr oder weni-
ger übereinstimmenden Erklärungen hervortreten: 1) die Heimlich-
keit der Ehe; welche aber, wie wir sehen werden, Ln mannichfacher
Weise bestimmt werden kann; 2) die Verpflichtung der Ehegatten,
in ihrem Gewissen das Band aufrecht zu erhalten, wenn auch dazu
ein äußerer Zwang, die Hilfe der Gerichte nicht sollte in Anspruch
genommen werden können, woher die Benennung Gewissensehe die-
sen Verbindungen gegeben ist; 3) die verschiedene Wirksamkeit die-
ser Ehen vor andern, welche in der üblichen oder vorgeschriebenen
Weise eingegangen sind, vor den rechten Ehen. Die Anwälte der
Beklagten wollen aber jene Erklärung gänzlich verwerfen und keines
der angegebenen Merkmale als wesentlich zum Bestand der Gewis-
sensehen gehörig ansehen. Klüber sagt: „die Gewissensehe ist
unter Christen eine Gesellschaft zweier Personen verschiedenen Ge-
schlechts , welche für ausschließendes, eheliches Beisammensein auf
Lebenszeit ohne Beobachtung kirchlicher Ehefeierlichkeiten, bloß durch
gegenseitige Erklärung des Eheeonsens errichtet wird. Ihre specifi-
sche Differenz von einer nach Kirchengebrauch geschlossenen Ehe jeder
Art besteht einzig in der Unterlassung kirchlicher Förmlichkeiten." Er
setzt dann erläuternd hinzu, daß eine solche Ehe dadurch, daß sie auf
Lebenszeit geschlossen sei, sich von dem Concubinale wesentlich unter-
scheide^); daß eine Gewissensehe sowohl heimlich, als öffentlich be-

1) Hesfter, Erbfolgerecht u.s.w., S. 102. Dieck, Gewissensehe, S.70.
2) Es ist dieses aber nur insofern .richtig, als unter Coneubinat das ver-
standen wird, was die Römer consuetudo nannten, und was wir in un-
Zeitschrift f. d. deutsche Recht. 4. Bd» \\

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