Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

Der reichsgräft. Bentincksche Erbfolgestreit.
gewiß nicht nnmerkwürdige Eröffnung gemacht worden, doch im
Stande gewesen sein soll, nach 25 oder 26 Jahren eine weitläufige,
geschraubte Erklärung aus dem Gedächtniß wörtlich wiederzugeben
u. s. w.
Es kommen außerdem aber noch einige außerhalb des Zeugnis-
ses, aber in Beziehung zu demselben beachtenswerthe Umstände in
Betracht, dahin gehört:
1) daß bei dem Abschluß der Gewissensehe, wiewohl dabei die
Nichtöffentlichkeit, die selbst die Trauung wohl gestattet haben würde,
sehr wohl hätte bestehen können, durchaus nichts ausgezeichnet worden;
daß weder der Graf — wie es in dem unten zu erwähnenden leinin-
genschen Fall geschehen ist — seiner Frau einen Eherevers ausge-
stellt, noch der Pastor Hanstng damals die geschehene Erklärung
niedergeschrieben und bezeugt hat; daß man erst, nachdem der Graf
die Gerdes längst förmlich geehlicht hatte und er darauf bedacht war,
seinen mit ihr erzeugten Söhnen die Sueeession zuzuwenden, und
darüber nun ein Proceß entstanden war, von dem damals Oljäh-
rigen Pastor, mit dessen Tod, wenn auch vielleicht nicht der einzige,
doch höchst wichtige Beweis der Gewissensehe gefallen wäre, die Aus-
stellung eines Zeugnisses verlangt Bat5).
2) Von hoher Wichtigkeit ist das von dem Grafen etwa zwei
Jahre nach der förmlichen Ehelichung der Gerdes errichtete, oben
(§. 8) erwähnte Testament, in dessen erstem Artikel es heißt:
Sodann ernennen wir zu Unfern Erben die mit unserer jetzigen
theuersten Frau Gemahlin Sara Margarethe geb. Gerdes (mit der wir
seit August 1800 kraft der Uns als deutschen Landesherrn in cedc-
siaslieis Reichs - Staats - verfassungsmäßig, independent von Kaiser
und Reich zugestandenen, über die Schranken des positiven Rechts er-
habenen und von aller bürgerlichen Rechtsform pro facto et aclo ohne
Weiteres höchst eigen und willkürlich dispensirenden Hoheit, Macht
und Gewalt, in einer so nach seinem erlauchten Stande rechtlich
erlaubten und vollen Rechtöeffeet habenden Gewissensehe vor Gott
und Menschen gelebt haben) erzeugten und von uns gleich bei ih-
rer Geburt anerkannten, nunmehr auch per 8ub86guen8 matrimo-

3) Replik S. 121 — 128.
4) S. darüber Replik S. 131 — 135.

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