Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

Verhältnis; des rationalen und nationalen Rechts. 121
ten Herkommen nach allein als praktisch in Deutschland Anerken-
nung finden konnte. Man lernte die Schwäche entschuldigen, welche
die deutschen Juristen der letztvergaugeuen Jahrhunderte auch da vor
dem römischen Rechte, wie vor einem Götzen, knien und ihm wenig-
stens äußerliche Huldigungen darbringen ließ, wo sie gleichwohl schon
mit freierem Geiste das vaterländische Recht gegen seinen Despo-
tismus schützten, —■ man lernte ihr Wirken im Verhältnisse zu ei-
ner Zeit würdigen, in welcher das römische Recht allein auf den
Namen und die Ehre eines wissenschaftlichen Gebäudes Anspruch
machen konnte.
Es sind kaum einige Deeennien verflossen, seit welchen diese hi-
storische Richtung bei dem Studium des deutschen Rechtes eingeschla-
gen worden ist. Allein wenn wir die Resultate dieser germanistischen
Forschungen betrachten, so müssen wir mit großer Befriedigung den
Einfluß erkennen, welchen sie bereits auf die ganzeRechtöanschauung
in Deutschland geäußert haben. Der Blick in den eigenthümlichen
Charakter des RechtSlebenö unseres Volkes ist eröffnet, die einhei-
mischen Institute schließen sich mehr und mehr aneinander, die Grund-
ansichten, die obersten Principien des deutschen Rechtes sind großen-
theils herausgefunden, ihr Gegensatz zum römischen Rechte ist scharf
hervorgetreten, und ein reiches Material liegt bereits zur Prüfung,
Scheidung und Auswahl vor der Gesetzgebung unserer Tage. Vie-
les, was der Praktiker aus Bedürfniß, der Philosoph aus Vernunft-
gründen als giltig vindicirten und von der Gesetzgebung als solches
proclamirt verlangten, ist bereits als in dem eigenthümlichen Cha-
rakter des deutschen Rechtes selbst begründet nachgewiesen worden;
manches, was die Gesetzgebung unserer Zeit bereits geleistet, was
im Vergleiche zum römischen Rechte als eine Neuerung erschien und
mitunter sogar mit bedenklichen Augen betrachtet wurde , ist als ein
altes Erbtheil, als eine uralte, wenn gleich im Laufe der Zeit oft
mehr als halb vergessene Rechtöansicht wieder erkannt worden. Das
historische Studium des deutschen Rechtes ist durch ein praktisches
Bedürfniß hervorgerufen worden, — durch das Bedürfniß, die An-
forderungen unserer Zeit, die Verträglichkeit, die Uebereinstimmung
oder den Widerstreit des sich als philosophisch und somit als allge-
mein giltig ankündigenden Rechtes mit dem deutschen Nationalcha-
rakter, resp. seine individuelle Anwendbarkeit beiden germanischen
Völkern zu prüfen und zu ermitteln. Darum zeichnet sich auch das

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