Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

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Zöpfl:

lag wohl diesen Legislationen Anderes zu Grunde, als das in der
Praris immer fühlbarer gewordene Bedürfniß, das gegenseitige Ver-
hältniß des römischen Rechtes zu bestimmen und festzusetzen, — und
wenn in einem oder dem anderen dieser Gesetzbücher zum Theil so-
gar eine feindliche Tendenz gegen das römischeRccht hervortrat, wenn
man mitunter die Absicht aussprach, dem vernünftigen Rechte gegen
das römische zur praktischen Geltung zu verhelfen, — was lag wohl
diesem Bestreben am Ende zu Grunde, als eine unvertilgbare natio-
nale und somit individuell-charakteristische Auffassungsweise einer
Masse von Rechtsinstituten, — was Anderes, als das mehr oder min-
der dunkle Gefühl, daß die einheimische Denkweise in jenen Rechts-
verhältnissen in Schutz genommen werden müsse, in welchen das rö-
mische Recht sich selbst nicht bis zu dem Charakter des allgemein Gil-
tigen emporgeschwungen hatte, oder die noch immer lebenskräftig
strebende deutsche Eigenthümlichkeit sich wenigstens fortwährend sträub-
te, das Raisonnement des römischen Rechtes als ein allgemein gil-
tiges anzuerkennen? Sehr treffend hat daher Gaupp a. a. O. be-
merkt, daß es vorzüglich die Gesetzgebung sei, welche in unseren
Tagen dem deutschen Rechte immer mehr Raum und Boden in prak-
tischer Beziehung anweisen werde. Darin, daß dieses Bedürfniß
der Entwickelung und Erhebung des deutschen Rechtes zu einem all-
gemein giltigen — wenn auch nicht in geographischer Beziehung,
was dabei ganz gleichgiltig ist, sondern in vernunftrechtlicher Be-
ziehung, welche auch rein partieularrechtlich hervortreten kann —
allenthalben immer mehr und mehr gefühlt wird, — darin, daß die-
ses Bedürfniß immer dringendere Abhilfe verlangt, hat das Streben
nach Codification seinen eigentlichen und inneren Grund, indem die
Praris in ihr das bequemste, wo nicht einzige Mittel zur Befriedigung
dieses Bedürfnisses zu erkennen glaubt. So viele Schwierigkeiten
sich auch einer guten Gesetzgebung entgegenthürmen, so wenig diesel-
ben verkannt, und so viele legislative Versuche der neueren Zeit auch
als ungenügend und mißlungen anerkannt werden, so hat das Stre-
ben nach der Erlangung von Gesetzbüchern in Deutschland nicht nur
nicht ab, sondern durchgehends auf eine wahrhaft überraschende
Weise zugenommen, und liefert den Beweis, daß ein innerer, lange
in seiner Entwickelung zurückgehaltener, Bildungötrieb erwacht ist,
daß das gesammte Rechtsleben nach einer neuen, dem germanischen
Nationalcharakter mehr zusagenden, Form ringt, und wenn gleich-

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