Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 4 (1840))

Verhältnis; des rationalen und nationalen Rechts. 117
rische Geltung ringen, welche auf heterogenen Grundansichten beru-
hen und jedes daher gegen das andere den Vorzug der größeren Ver-
nünftigkeit in Anspruch nimmt. So begann in Deutschland dieRea-
ction wider das römische Recht zum Theil schon in eben jenen Sta-
tuten, Stadtrcformationen und Landesordnungen selbst, welche im
15., Mi. und 17. Jahrhunderte dem römischen Rechte positive Gel-
tung in Deutschland gaben, da nirgends in ihnen das römische
Recht völlig rein, sondern stets nur mit Modisieationen, d. h.
mit Concessionen gegen das deutsche Recht, und also nur in einem
gewissermaßen beschränkten Umfange reeipirt wurde, während die
Giltigkeit des deutschen Rechtes im Uebrigen als unbestritten und
sich von selbst verstehend vorausgesetzt, — ja deshalb von dem deut-
schen Rechte in diesen Stadtreformationen und dergleichen kaum eine
Erwähnung gemacht wurde. Bedeutender wurde die Reaetion des
deutschen Rechtes gegen das römische, als die kritische Philosophie
erwachte und alle gegebenen Verhältnisse vor ihren Richterstuhl zog,
und man dem Bestehenden die Anerkennung als etwas Giltiges zu
verweigern anfing, wenn es nicht zugleich als etwas Vernünftiges
erwiesen werden konnte. Sehr treffend hat Gaupp *) vor Kurzem die
Bemerkung ausgesprochen, daß Vielen, welche von dem Standpunkte
des sogenannten Natur- oder Vernunftrechtes aus das römische
Recht bekämpften, vollkommen unbewußt war, daß sie für die Aner-
kennung germanischer Rechtssätze stritten; aber das ist ebendie Kraft
des Nationalen, der Beweis, daß noch die Individualität eines
Volkscharakters nicht erloschen, daß noch schöpferische Kraft in
dem Marke seines Rechtslebens vorhanden ist, wenn den Denkern
aus diesem Volke in späten Jahrhunderten noch ebenso das als
das Richtige, als das Vernunftgemäße erscheint und von ihnen als
praktisch anzuerkennen gefordert wird, was schon die Vorwelt
als das Richtige empfunden und in: Drange des Gefühles als
Recht geübt hat!
Einen weiteren großen Fortschritt machte die Reaetion des deut-
schen Rechtes (fast gleichzeitig mit dem vorgedachten), als man
in den größeren deutschen Staaten, wie Preußen, Oesterreich,
Barern rc., anfing, umfassende Gesetzbücher auszuarbeiten. Was

') Bergt, diese Zeitschrift, Jahrgang 1839, Heft 1. S. 88.

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