Full text: Volume (Bd. 4 (1840))

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Zöpfl:

terphilosophen, die, anstatt den Menschen in der Totalität seiner Er-
scheinung und im Zusammenhänge mit der Außenwelt aufzufassen,
ihn von allem, was ihn umgibt, losschälen und isolircn, um desto
leichter Grundregeln für ein Dasein zu eonstruiren, dessen wahre und
Wirkliche Bedingungen zu ergründen sie sich nie die Mühe gegeben
haben. Je höher aber diese Verwirrung gestiegen ist, desto mehr
wird es Pflicht, das nationale Recht und die charakteristische Denk-
weise einer Nation zu erforschen und zur klaren Darstellung zu brin-
gen , um wenigstens die Legislation vor dem Mißgriffe zu bewahren,
das historische Recht unvolksthümlichen und ebendarum auch unhalt-
baren und den Keim ihrer Vernichtung in sich selbst tragenden Theo-
rien blindlings aufzuopfern.
Das Dritte, was als Gegenstand der Rechtöverfassung in
Betracht zu ziehen ist, sind die Förmlichkeiten des Rechtes. Man
hat nämlich zu allen Zeiten und bei allen Völkern gewisse Förmlich-
keiten zur Beurkundung, Beglaubigung, Bestätigung, Geltendma-
chung nnd gerichtlichen Verfolgung, überhaupt zur Sicherheit der
rechtlichen Geschäfte für nothwendig erachtet. Je mehr ein Recht
noch in seiner Kindheit stand, desto reicher war es an solchen Förm-
lichkeiten, ja eö bestand ursprünglich größtentheils nur durch seine
Symbolik. Diese symbolische Gestalt wurde nach und nach abgcsto-
sien; dagegen aber wurden die Förmlichkeiten da, wo man sie beibe-
hielt, häufig bedeutungsloser oder eomplicirter, und oft mehr Fall-
gruben als Stützen des rechtlichen Verkehrs. Was nun diese Förm-
lichkeiten des Rechtes anbelangt, so möchte in Bezug auf sie an sich
nicht von einer Anordnung derselben nach absolut giltigen Prinei-
pien die Rede sein können, da sie ihrem Begriffe nach nur etwas
Aeußerliches und Relatives sind. Eben so wenig wird aber in Be-
zug auf die Förmlichkeiten, wo sie doch nun einmal längst aufgehört
haben Symbolik zu sein, die Erhaltung des nationalen Rechtes —
als einer individuellen Rechtsphilosophie — in Betracht kommen
können; sondern hier handelt es sich lediglich um Zweckmäßig-
keit, und darum hat auch hier eine Legislation den freiesten Spiel-
raum, hier ist sie unentbehrlich und hier muß sie von Zeit zu Zeit mit
Rücksicht auf das neuere Bedürfniß, die größere Beweglichkeit des Ver-
kehres und dergleichen, nachhelfen. Wie sollte auch wohl aus allge-
meinen oder nationalen Rechtsideen erklärt werden, daß ein Ver-
tragsinstrument durch die Unterschrift von zwei, ein Codicill durch

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