Full text: Volume (Bd. 3 (1893))

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l§in fünfzigjähriges Professoren jubiläunt.
Grundlage seines juristischen Wissens zu bilden hat. Er gelangt zur Erkenntniß,
daß das römische Recht die Vorschule für das gesammte Rechtsstudium sein muß,
weil aus ihm der enge Zusammenhang der Rechtsentwicklung eines Volkes mit
seiner Geschichte hervorgeht, weil das römische Recht die notwendige Propädeutik
für juristische Logik und weil auf diesem Rechte unser heutiges Recht aufgebaut
ist. Diese gewiß nicht leichte Aufgabe versteht Schmidt in meisterhafter Weise
zu lösen. Durch seinen lebendigen, klaren-Vortrag der Institutionen des römischen
Rechts und des römischen Civilprozesses führt er den jungen Juristen nicht nur
in die Wissenschaft ein, sondern erfüllt ihn mit regem Eifer für dieselbe. In den
Pandektenvorlesungen bringt er ihm das klare Verständniß und die umfassende
Kenntniß des römischen Rechtes bei, wie solches nach lOOOjähriger Entwicklung
in vielen Theilen unseres Vaterlandes heute noch gilt und als raison Scrite
auch dann noch gelten wird, wenn endlich einmal das schon lang ersehnte gemein-
same bürgerliche Gesetzbuch als weiteres Band um die Nation sich schlingen wird.
Diese ausgezeichneten Verdienste des akademischen Lehrers haben seine ehe-
maligen Hörer aus allen Theilen Deutschlands dankend anerkannt. Hier ist noch
auf die wissenschaftlichen Leistungen einzugehen. Nicht umfangreiche Werke hat
der Jubilar veröffentlicht, aber alles, was er geschrieben, giebt Zeugniß von ernstem,
gründlichem, scharfsinnigem Forschen, dessen Ergebnisse er unbekümmert um die
Ansichten anderer in wissenschaftlicher Selbstständigkeit bestimmt und klar darlegt.
Oben schon sind die vier im Jahre 1841 veröffentlichten civilistischen Ab-
handlungen erwähnt. Die erste derselben, über die Natur der sogenannten in rem
scriptae actiones kann zum Theil als Vorarbeit für das unten zu besprechende Werk
über das Jnterdiktenverfahren der Römer gelten. Anknüpfend an die actio quod
metus causa wird dargethan, daß der Zusatz „in rem scriptae“ nicht bloß
formale, sondern auch materielle Bedeutsamkeit hat. Letzteres insofern, als auf
die Person des Furcht Erregenden nichts ankommt, sondern lediglich die Person
des Gezwungenen und der Nachtheil, welchen dieser durch den Zwang erlitten, in
den Vordergrund gestellt wird. Daraus wird die doppelte Folgerung gezogen:
Einmal, daß Jeder, welchem die Handlung der Furcht unmittelbar Vortheil ge-
währt hat, selbst dann dem Gezwungenen gegenüber verpflichtet wird, wenn er
auch er nicht die Furcht erregte; sodann daß jeder weitere Erwerber der Sache, welche
einmal durch Zwang erworben worden ist, schon durch die Erwerbung dieser Sache
zugleich in die Verpflichtung seines Veräußerers eintrete. Sodann wird auf die
restitutorischen Interdikte übergegangen und werden zunächst diejenigen ausgeschieden,
welche lediglich an die Person des ursprünglich Verpflichteten geknüpft sind, näm-
lich das Interdictum unde vi, quorum bonorum, de precario und frauda-
torium. Mit Scharfsinn wird sodann nachgewiesen, wie die interdicta quod vi
aut clam, quod legatorum, Salvianum, quod in cloaca publica, ferner die
operis novi nuntiatio — und andere mehr — auch gegen jeden neuen Erwerber
der Sache wirken.

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