Full text: Volume (Bd. 3 (1893))

Braune, Die Mängel unserer Gesetzgebung über die kaufm. Buchhaltung. 209
beeinflußt wird, daß die verschiedenen Bestandtheile des Vermögens ihren Werth
ändern. Zum Theil werden diese Veränderungen allerdings auch erkennbar,
nämlich.dann, wenn die betreffenden Vermögensstücke aus dem Vermögen aus-
scheidcn, aber, nur unter der Voraussetzung, daß sich ermitteln läßt, zu welchem
Preise das ausscheidende Vermögensstück ursprünglich zum Vermögen geschlagen
worden war. Es liegt indeß auf der Hand, daß es unmöglich ist, z. B. bei
jedem Verkaufe von Waaren, die man gekauft oder fabricirt hat, den Unterschied
zwischen dem Eingangspreise und Ausgangspreise derselben festzustellen und auf-
zuzeichnen. Aber gesetzt auch, dies wäre möglich, so wäre damit nichts gewonnen,
weil ja auch die nicht umgesetzten Wechsel, Effekten, Waaren, Mobilien u. s. w.
unausgesetzt ihren Werth ändern; man muß daher wohl oder übel darauf ver-
zichten, das Handlungskapital in solcher Weise fortgesetzt zu überwachen, und sich
darauf beschränken, dasselbe von Zeit zu Zeit durch Ermittelung des Werthbetragcs
sämmtlicher augenblicklich vorhandenen Vermögensstücke ganz von neuem sestzu-
stellen. Diese Arbeit ist aber eine so schwierige und zeitraubende, daß sie nicht
täglich, wöchentlich oder monatlich, sondern der Regel nach nur jährlich einmal
vorgenommen werden kann. Auch die Gesetzgeber mußten dies anerkennen, und
während sie vom Kaufmanne verlangen, daß er die in den Bestandthcilen seines
Vermögens vorgehenden Veränderungen von Fall zu Fall und Tag für Tag auf-
zeichne, fordern sie in Betreff des Handlungskapitals nur, daß dieses beim Be-
ginne des Gewerbetricbes und am Schlüsse jedes Geschäftsjahres von neuem
ermittelt werde.
Natürlich läßt sich unter so bewandten Umständen der durch den Gewerbe-
betrieb hervorgebrachte Gewinn oder Verlust, der ja durch das Größer- oder das
Kleinerwerden des Handlungskapitals zum Ausdruck kommt, auch nur am Schlüsse
des Geschäftsjahres erkennen. Z. B. Handlungskapital am 31. Dezember 1891
Mark 100000, desgleichen am 31. Dezember 1892 Mark 110000 == 10000 Mark
Gewinn. . •
Auch die beste Buchhaltung ist, wie hieraus hervorgeht, insofern etwas Un-
vollkommnes, als der Kaufmann im Laufe des Geschäftsjahres über die Größe
seines Handlungskapitals und den Erfolg seiner geschäftlichen Thätigkeit nur an-
nähernd unterrichtet ist. Er weiß, auf wieviel Mark und Pfennig dasselbe beim
Beginne des Geschäftsjahres sich bezifferte und kann ungefähr beurtheilen, ob es
seitdem zu- oder abgenommen hat, will er aber Genaues wissen, so muß er sämmt-
liche Bestandthcile seines Vermögens von neuem abschätzen.
Aus dem, was im Vorstehenden über das Wesen der Buchhaltung gesagt
worden ist, ergiebt sich das Gefüge derselben eigentlich von selbst
Beim Beginne des Gewerbes wird Inventur gemacht, d. h. es werden die
verschiedenen Vermögensbestandtheile, nach Gattungen geordnet, ausgezeichnet und
der' Werth derselben wird in Geld abgeschätzt, falls sie nicht schon an sich, wie
das baare Geld und die aus einheimisches Geld lautenden Forderungen, einen

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