Full text: Volume (Bd. 3 (1893))

206 Braune, Die Mängel unserer Gesetzgebung über die kaufm. Buchhaltung.
von 10000 Mark, so wird es um 5000 Mark größer oder kleiner, wenn der
Preis derselben um 50 Prozent steigt oder fällt.
2. Ein werbend angelegtes Prioatvermögen muß stets als Geldkapital
dargestcllt und in dieser Eigenschaft iiberwacht werden, weil sich nur unter dieser
Voraussetzung beurtheilen läßt, ob es seinen Zweck erfüllt und größer wird.
Jede durch den Gewerbebetrieb erfolgende Zunahme des Geldwerthes eines solchen
Vermögens wird als Gewinn und jede in gleicher Weise erfolgende Abnahme
als Verlust angesehen.
Wer ein Vermögen zu verwalten hat, fühlt auch das Bedürfniß, dasselbe
zu überwachen. Selbst ein einfacher Hausvater als solcher muß sein aus
Wäsche, Kleidungsstücken, Mobiliar, Schmucksachen u. s. w. bestehendes Vermögen
überwachen, wenn er sich vor Verlusten durch Nachlässigkeit oder Untreue seiner
Bediensteten schützen will. Umfaßt aber sein Vermögen viele Bestandtheile, so
wird er zu Aufzeichnungen über dasselbe seine Zuflucht nehmen müssen, .die ver-
hindern, daß ihm Vermögensstücke unbemerkt abhanden kommen können. In
gleicher Lage befindet sich der Geschäftsmann in Betreff seines Geschäftsvermögens,
und ist sein Gewerbebetrieb einigermaßen bedeutend, so wird er ohne Aufzeichnungen
nicht auszukommen vermögen; besonders, da gewisse Vermögensbestandtheile: Geld,
Wechsel, Effekten und Waaren, von vornherein bestimmt sind, umgesetzt, sogar
möglichst oft umgesetzt zu werden, und infolgedessen so zahlreiche Veränderungen
darin Vorgehen, daß Niemand dieselben im Gedächtniß zu behalten im Stande ist.
Ein Hausvater als solcher oder überhaupt ein Nichtgeschäftsmann hat dagegen in
der Regel kein Bedürfniß, sein gesammtes Vermögen als Geldkapital darzustellen
und es in dieser Eigenschaft zu überwachen. Ja, er empfindet es meistens sogar
als eine große Unbequemlichkeit, wenn er auf eine besondere Veranlassung hin
genöthigt ist, dies zu thun, z. B. bei Versicherung gegen Fcuersgefahr oder bei
Ordnung einer Erbschaft. Anders der Geschäftsmann: dieser muß beim Beginn
seines Gewerbes sein Geschäftsvermögen als Geldkapital darstellen und
darf es auch im Laufe seines Gewerbebetriebes in 'dieser Eigenschaft niemals
dauernd aus dem Auge verlieren, weil er sonst weder wüßte, ob er mit
Gewinn oder mit Verlust arbeitet, noch wie er steht, noch ob seine
geschäftlichen Unternehmungen im Verhältniß zu seinen Mitteln
richtig bemessen sind, während die Erfahrung lehrt, daß wer über diese drei
Punkte im Unklaren ist, sich auf die Dauer nur ausnahmsweise Erfolg von seinem
Gewerbebetriebe versprechen darf. Natürlich kann die Ueberwachung des Geschäfts-
vermögens als Geldkapital gleichfalls nur durch Aufzeichnungen bewirkt werden,
die sich an jene anschließen, welche die Ueberwachung der Bestandtheile des Ge-
schäftsvermögens zum Zweck haben, und mit diesen zusammen das als Buchhaltung
bezeichnete Rechnungswert bilden.
Der Kaufmann nimmt Kredit in Anspruch und wird hierdurch zum Ver-
walter fremden Vermögens, der seine Gläubiger dadurch schädigen kann, baß er

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