Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

Zur Staats- und Rechtsgeschichte der Wetterau. 53
nen die grundherrlichen Untersassen zunächst in zwei große Classen
zerlegen: arme und reiche Leute. Zu den „reichen" (potentiores,
potentes) Untersagen gehörten die Vasallen, denen rechtes oder Burg-
Lehngut zustand (servi beneüciales Göhrum Ebenb. I. S.35 Note5
S. 40 Note 14), und die, welchen erbliches Zinsgut (Pachtgut)
gereicht wurde (censuales, Pfleghafte, Vogtleute, Bargilden, Bir-
gelten, Barschalken). Daß wir sie hinsichtlich ihrer dinglichen Lehns-
verhältnisse mit Recht zu den grundherrlichen Unterthanen, zu den
bornines qui super terra dominica resident rechnen, ergibt sich sogar
direct. In einer Urkunde König Ludwigs von Italien aus dem
Jahre 900 bei 8 oll ei dt Orig. Guelf. I, 236 heißt es „vasallis—
residentibus super res Ecclesiae“ (Arretinae Papiae). 1389 bekennt
Herr Otto Graf zu Holstein, Stormarn und Schauenburg, daß er
sich „verdragen hebbe mit unsen leuen Mannen, Riddern und Knech-
ten, de unsere Unter säten sin dt" (Reg. Schaumb. 419). Die
Glosse zum Sachsenspiegel III, 32 sagt „Plechaften dat synt un-
der säten". Sie dienen daher, „serviunt“, ihr Senior ist ihr
(„gnädiger") Herr. S. a. Göhr um I. S. 58. 181 fg. Note 1
U. 2. Die Identität der advocaticii per curiam, cui sunt cen-
suales, der Pfleghaften (Pachtener Reg. 8cb. 365) und
Bargilden ergibt sich schon aus einem Zusammenhalten der
Stellen, welche ziemlich vollständig Kraut D. PR. §. 16 No. 15
bis 41 gegeben hat, insonderheit Sachsenspiegel III, 45 8. 4 u. 5
vergl. mit I, 2, 3 u. III, 64, 8 sowie der Glosse zu letzterm Art.
und zu Art. 74 des sächs. Lehnrechts. Bargilde wird sogar wört-
lich nichts Anderes als vir censualis sein von bar (uar, wer) der
Mann und gildan, gelten, praestare, solvere70). Ueber diese zu
den „Reichen" gezählten Untersassen hatte ihr Herr nur Gerichts-

70) Daher auch gilstrio — censualis (Grimm RA. 358), gilstr im
Gothischen census, im Mittelhochdeutschen Geld oder Gülten ebenfalls
= census, daher Gelthühner und Geltschweine — Zinsschweine u.s. w.
Brgl. Pu Fresne v. Gildum und Geldum und Vocab. in Sencken-
bergs 6. j. G. II, 34 u. 43. Im sächs. Lehnr. 65, 7 u. 68, 5 sowie
73, 1 steht tinsgelde für tinsmann. S. a. Sachsensp. III, 76, 4:
„nicht Plichtig af to geldene Plege noch tins, dar sie nen tinsgelde
af ne was". Pflege (plegium) ist Beides: Schutz (defensio, tuitio,
patrocinium) und ZinS (Pflicht, Pacht).

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