Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

W. E. Wilda.

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Ueber den Zweck der Zeitschrift hatten wir uns schon früher
verständigt. Wilda schrieb, als ich ihm die hierauf bezüglichen
Einleitungsworte mittheilte, daß er diese auch als in seinem Sinne
geschrieben anerkenne, indem er beifügte: „Daß der usus moäörnus und
der bürgerliche Inhalt des kanonischen Rechts mehr dem deutschen
Rechte angehören und eine Zeitschrift für deutsches Recht sich beides
aneignen kann, glaube ich auch; bei akademischen Vorträgen und
also auch in Lehrbüchern möchte die Verbindung für jetzt noch ihr
Bedenkliches haben; wir müssen uns noch an den Elementen halten,
aus denen unser jetziger Rechtszustand sich herausgebildet hat; der-
einst wird man vielleicht nur römische Institutionen und deutsche
Pandekten lesen." Die Auffassung des deutschen Rechts in dem sich un-
mittelbar anschließenden Aufsatze über das Dasein und die Natur
des deutschen Rechts erregte bei Wilda Anfangs Bedenken wegen der
Stellung, welche darin dem rationellen Elemente neben dem geschicht-
lichen in unserem Rechte eingeräumt ist. Doch schrieb er den
18. April 1839: „Sowohl Ausstattung als Inhalt (des ersten
Hefts) hat mir, als ich letztem in der Revision genau noch einmal
kennen lernte, und erstere sich mir in den Aushängebogen zeigte,
wahre Freude gemacht." Auch bethätigte er seine Theilnahme durch
eine mit seinem Namen erschienene Anzeige der Zeitschrift.in dem
Hamburger Correspondenteu (August 1839 „von gelehrten Sachen"),
worin er zunächst über die vaterländischen Beziehungen derselben
auf das Wärmste sich aussprach, zugleich aber auch in einer, sonst
nicht gewohnten, energischen Weise wider das erclusive Parteitreiben
der Hegel'schen Schule, namentlich in den Hallischen Jahrbüchern,
in die Schranken trat und sich zu der Ueberzeugung bekannte: „es
sei die Geschichte die Grundlage aller wahren juristischen Erkenntniß,
die Philosophie das Resultat und das Licht der Geschichte, das Recht
zugleich eine Wissenschaft und eine Kunst." — Wilda selbst begann mit
dem zweiten Hefte seine thätige Mitwirkung durch den Aufsatz über das
P f ä n d u n g s r e ch t, der mit seinen geschichtlichen Studien im Gebiete
des deutschen Strafrechts in Verbindung stand. Er Hatte im Laufe
der Ausarbeitung einen andern Standpunkt eingenommen. „Anfangs
wollte ich (so schreibt er den 22. Februar 1839) mich auf das
Pfändungsrecht, wie es heute wegen Schaden und Besitzstörnng
vorkommt, beschränken; ich habe aber nun, indem ich auch diö Weise
billige, wie Sie in Ihrem württembergischen Privatrecht die Sache
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