Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

Zur Staats- und Rechtsgeschichte der Wetterau. 41
kommen aber „der wilden Frau Haus" oder „Häuser", der „wilden
Frau Born", „wilde Steine", „wilde Berge" gar häufig in der
Wetterau und in den angrenzenden Gauen vor^). Wenn es
wahr sein sollte (vrgl. Sim rock Myth. S. 383), daß die Nornen
in einigen Gegenden unseres Vaterlandes „wilde Frauen" genannt
werden, worüber mir Kenntniß abgeht, so hätten wir auch in den
wetterauischen wilden Frauen die drei Schicksalsschwestern oder wenig-
stens jene halb weiße halb schwarze Parze, jene „rächende Hel" zu
erblicken, welche stets mehr schlimme und böse Geschicke, als die
beiden andern, die „Heilräthinnen", spinnt und webt, welche Fäden
und Seile von Berg zu Berg spannt, an welchen fie Menschen
bindet, die dann dem Tode verfallen sind. Dann wäre der
„Nornborn" bei dem wetterauischen Nidda ein „Wildfrauenborn",
die Wildfrauenbrunnen Nornborne. Dann wäre es erklärt, warum
nicht bloß die Thingbäume, sondern auch die Wildfrauenhäuser sich
in der Nähe von Brunnen („Richtbrunnen" Grimm NA. S. 799)
befinden; denn auch jenseits, in Asgard, steht der Saal der Nor-
nen bei jenem Born, welcher an derjenigen Wurzel der Weltesche
Aggdrasil liegt, die zu den Menschen reicht, jenem Born, an
welchem die Götter unter Thors Vorsitz ihr Gericht haben, jenem
Born, welcher von der gefürchteten (wilden) schwarzweißen Todes-
göttin (Wurd, Urd d. i. fatum, Unheil) Urdsbrunnen (urdar brunnr)
hieß. Dann wäre erklärt, warum die wilde Frau auf dem
Bingenheimer Gestühl sitzend gedacht wird; denn gleich dem Richter
sitzt die Norn als Urtheilfinderin (Schepfenta) auf ihrem Stuhl
(Grimm RA. 750). Selbst die drei Sitze in den Gerichtsstühlen
und die drei Nornen mögen verglichen werden. — Für andere Ge-
genden lauten die Schauersagen anders. So im Mittelpunkte des
alten Hesien. Dort wo einst Natrium das eaxut Chattorum stand,
jetzt ein elendes Dorf Maden, erhebt sich auf der Mader Heide
der Wodansberg, jetzt Gudensberg, auf dem eine Dynastenfamilie
sich anbaute, welche 1121 die Grafschaft Hessen als Alod erwarb,
allein schon 1137 nach dem Tode des Grafen Giso deVdenesberc
(Wuodenesberch) auf die Landgrafen von Thüringen vererbte. Neben

48) Schon im 9ten Jahrhundert. Siehe Landau Wett. S. 128: »ad
domum uuildero uuibo«. Brgl. im Uebrigen meine Ernten im Büd.
W. S. 12 fg.

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