Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

Von den Holznutzungen der Gemeindegenofsen re. 437
„Weg und Steg". Die Summe des benöthigten Bauholzes richtete
sich nach der Größe der Wohnungen und Wirthschaftsgebäude, welche
Größe wieder abhängig war von dem Umfange der darauf getrie-
benen Feldwirthschaft. Auch das Brennholz wurde Ln einer
größern Masse (bis zu 20 Klafter) abgegeben an die Großbegüterten,
in kleinerer (bis zu 3 Klafter herab) an die ärmeren Einwohner.
Man findet in diesem Maßstabe setzt eine Ungleichheit, weil
man vergißt, daß vormals die Waldnutzungen bei den Markgenossen-
schaften in Deutschland überhaupt nach dem Maaße des getheilten
Ackerlandes geregelt wurden, und daß andererseits noch setzt die
Gemeindelasten nach dem Vermögen, namentlich nach dem
Grundbesitze bemessen werden. Wie ursprünglich nur Jemand, der
in der Markung begütert war und sein eigen Feuer und Rauch
in der Gemeinde hatte, den Nutzen am Wald und an der Allmand
ansprechen konnte '), so ergab sich von selbst, daß auch das Maaß
der Nutzungen an der ungetheilten Mark nach dem Umfang
des Feldbesitzes oder nach dem Bedürstn'ß des einzelnen Markge-
noffen sich richtete7 8 9). In vielen Orten Württembergs galt noch zu
Ende des vorigen Jahrhunderts und in einzelnen Gemeinden des
schwäbischen Oberlandes noch bis zur Gesetzgebung von 1819 der
Realverband, indem die Gemeinderechte und Lasten auf be-
stimmten Gütern hafteten. In andern Orten, namentlich des
Schwarzwaldes, ward bei Vertheilung der Gemeindenutzungen auf
den Steuer fuß Rücksicht genommen und die Klasse der Klein-
besitzer unter dem Namen „Beisitzer" oder Taglöhner von den
„Bauern" unterschieden^). Jetzt ist allerdings die gesetzliche
Regel für die gleiche Vertheilung der Gemeindenutzungen unter die
Activbürger. Auch der Ueberschuß der Gemeinde-Einkünfte wird,
wenn er nicht unmittelbar von einer zu hohen Kommunschadens-
Umlage herrührt, unter alle Activbürger gleichmäßig vertheilt,0).
Dagegen sind die „Beisitzer" von der Theilnahme an den Ge-
7) I. Grimm, RechtSalterthümer S. 505.
8) G. L. v. Maurer, Einleitung zur Geschichte der Mark-, Hof- uud
Stadtverfassung. München 1854. S. 88.
9) S. das Gutachten des württemb. Regierungscollegium- v. 1.1797 über
Behandlung der Gemeindenutzungen in den württemb. Jahrbüchern
v. 1844, S. 313. Mein Privatrecht §. 246. 758. 764.
1V) Eirkularerlaß vom 20. Sept. 1837. (Gesetz-Slg. XV, 2. S. 1488.)

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