Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

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Pözl:
soweit sie zur ehrenvollen Eristenz und zu ihrer Erhaltung nöthig ist,
verschafft, oder ob ihr blos gewisse einzelne Vermögensrechte zu-
gewendet werden sollen, die der Familie eine Aushilfe gewähren
und ihr die Erreichung bestimmter einzelner Zwecke ermöglichen.
Bei dem ersteren hat in der Regel ein einzelnes Familienglied —
als Repräsentant oder als Haupt der Familie — den Genuß und die
Venvaltung des gestifteten Vermögens, während bei der zweiten
Form die Frage über die Nutzungsberechtigung, sowie über die Ver-
waltung für jede einzelne Stiftung besonders beantwortet werden muß.
Wenn die Jurisprudenz bei der Beurtheilung solcher Verhält-
nisse Schwierigkeiten fand, so lag der Grund davon nicht in den
Verhältnissen, sondern in der offenbar unrichtigen Methode, nach
der man verfuhr. Man verschmähtees, den dieselben beherrschenden
Gedanken aus ihnen selbst zu entnehmen und darnach ihre Entstehung
und ihre Wirksamkeit zu beurtheilen; man brachte vielmehr ein bereits
fertiges, theoretisches System mit, dessen Formeln freilich, wie man
bald gewahr wurde, für die in Frage stehenden Dinge sich als
unbrauchbar erwiesen. Um aber die Formeln doch zu halten, nahm
man zu Fiktionen und Voraussetzungen seine Zuflucht, soweit man
solcher zur Aufrechthaltung der Theorie bedurfte, unbekümmert darum,
daß man dadurch der Natur der Dinge Gewalt anthat, ja diese
nicht selten geradezu verfälschte.
Auf diesem Wege gelangte man dazu, bei der Familienstiftung
das gestiftete Gut, das doch offenbar zunächst nur Object der Be-
rechtigung, nicht Subject ist, selbst zu einer Person zu machen, indem
man die Absicht des Stifters, resp. den Zweck der Stiftung gleichsam
zur Seele der fingirten Persönlichkeit erhob, und dann nach Ein-
richtungen für die Vertretung, Verwaltung u. s. w. suchte, welche
diesem künstlich geschaffenen Subjecte dienen, seinen Willen aus-
sprechen und handhaben sollten. Zur Vertretung und Verwaltung
solcher Stiftungen erklärte man aber, durch die Natur der Sache
genöthigt, schließlich doch wieder die Familiengenossen berufen, so
daß man am Ende nach langen Irr- und Umwegen bei dem Punkte
anlangte, von welchem man einfach hätte ausgehen sollen. — Die
Familie als das berechtigte Subject anzuerkennen, trug man darum
Bedenke«, weil man die Staatsgenehmigung für nothwendig er-
achtete, um ihr rechtliche Persönlichkeit beilegen zu dürfen. Man
vergaß dabei, daß die Familie, abgesehen von allen direkten Staats-

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