Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

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Zur Geschichte des deutschen Strafrechts.
migerweise untüchtig seyn sollte. Es wäre denn, daß er dem Züch-
tiger sonst zu der Rechtfertigung des armen Menschen ") geholfen
hätte, und sein belohnter Diener gewesen wäre."
So empfindlich war bereits damals das Ehrgefühl der Zunft-
genossen, selbst in Beziehung auf eine nur entfernte, und durch das
religiöse Gebot gerechtfertigte Berührung mit den „Armen", woraus
sich der Schluß über die Ansicht von der Ehrlichkeit des Nachrich-
ters unmittelbar ergibt.
Auch außerhalb dem deutschen Lande war es nicht anders, und
jener aus Polen mitgetheilte Fall — den ohnehin die Schlesier in
einer ganz andern Weise beurtheilten als die Polen und die Herr-
schaft — darf, wie gezeigt worden ist, als Beweis des Gegentheils
angeführt werden? Ich erlaube mir aus der italienischen Praxis,
deren Einfluß auf die einheimische bekannt ist, nur auf das hinzu-
weisen, was Julius Clarus20) (1525—1575) Sententiar. receptar.
libr. V. Quaest. XCIX. Nr. 4* über die gedachte Frage bemerkt:
„8cd pcm6, quod in civitate nullus sit carnifex, sive minister ju-,
stitiae, qui sententiam capitalem exequatur: num quid possit judex
propter publicam utilitatem cogere aliquem hominem liberum, ut
sit carnifex, sive executor, etiam quod ipse in nihilo deliquerit ?
Resp. Quod sic, si est vilis persona,“ wofür einige ältere Autoritä-
ten und nichts beweisende Stellen beigebracht werden. Dabei wird
gcmißbilligt, wenn Fremde und ehrliche Personen zu solcher Ver-
richtung genöthigt werden; gegen Andere, soferne ihnen die Ge-
bühr zu Theil würde, sollte der Zwang statthaft seyn2').
19) Daß die P. G.-O. und ihre Vorgänger, die Verurtheitten, zu peinli-
cher Strafe, aber auch schon zur Folter (Art. 59) die „Armen" (nicht,
wie jetzt zu geschehen Pflegt) „arme Sünder" nennen, ist bekannt. Bgl.
Walch, Glossar sub voce „Arm", wo eine gute Erklärung über
die Entstehung dieser Bedeutung des Wortes sich findet, das sonst in
den Quellen, auch in umfassendem Sinne vorkommt. Auch Haltau S,
Wächter, Scherzer, auf die auch Walch Bezug nimmt.
20) Meine Ausgabe ist Francof. M. DC XXXVI. Fol.
21) Es heißt weiter a. a. O.: „et refert Paris Put. de synd. fol. 32
Nr. 5 quod ita vidit observatum Bononiae, quod scilicet captus fue-
rit quidam peregrinus, licet videretur persona honesta, ut decapi-
taret quendam nobilem: quod (secundum eum) fuit male fac-
tum: nam ad hoc officium non debent compelli, nisi personae vi-
les, puta servi, et similes. Dicit autem ibi Paris, quod quando of-

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