Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

Zur Geschichte des deutschen Strafrechts. 319
Diese Genugthuung ist mir, unter andern, auf Veranlassung
jener Abhandlung zu Theil geworden. Zwar gehört der ganze
Inhalt des Art. 218 der Geschichte und nicht dem praktischen Recht
an, soweit hier dieses, die Peinliche Gerichts-Ordnung Carls V. Ln
unserer Zeit der sog. erclusiven Landrechte, und neuer Strafgesetzge-
bungen überhaupt noch in Betracht kommt. Denn die dort gerügten
Mißbräuche, von denen ich nur einen *) der Erörterung unterworfen
und das richtige Verständniß zu begründen versucht habe, sind längst
abgestellt und es war nicht die Aufgabe, ihnen nochmals entgegen-
zutreten. Aber für die — wie ich öfters geltend gemacht habe, —
unter dem Gesichtspunkte der Sitten-Geschichte zu betrachtende
Art und Weise der Handhabung der Criminalrechtspflege ist der
Gegenstand von nicht geringer Wichtigkeit, wie er mir denn auch
Gelegenheit geboten hat, auf einige scheinbar ferne liegende Punkte
die Betrachtung auszudehnen, welche, mit jenen in Verbindung ge-
setzt, wie ich hoffte, Einiges zum Verständniß der Sache und zur
Eröffnung eines weitern Blickes in die frühere Verfahrungsweise
beigetragen hat. Von den mir zugekommenen erfreulichen Zeichen
der Beachtung, welche meine Abhandlung gefunden hat, möge es
erlaubt seyn, hier derjenigen zu gedenken, die mir nicht nur Gelegen-
heit geben, für belehrende Beiträge meinen Dank öffentlich auszu-
sprechen, sondern auch meinerseits noch Einiges hinzuzufügcn, was
zur größern Vollständigkeit dient.
Vor Allem waren mir die, dem Inhalt nach zustimmenden Be-
merkungen interessant, welche Herr Geheime Justizrath vr. A. Bi ener
in Dresden in mehreren Briefen mir mitzutheilen die Güte gehabt
hat. Von dem, was sich unmittelbar auf die fragliche Stelle des
Art. 218 bezieht, mache ich hier mit dessen Erlaubniß Gebrauch.
Daß dem Art. 218 der P. G.-O. kein Artikel in den beiden
Projekten entspreche, und die Bamb. und Brand. H. G.-O.
1) UeSer einen andern, der im Eingang des Artikels erwähnt wird, daß
die Obrigkeit die in ihre Gewalt gekommenen gestohlenen oder geraub-
ten Güter, statt solche dem Verletzten zurückzugeben, für sich behalte,
worüber 8. k'r. de Boehmer ad Art. 218 eine Reihe merkwürdiger
Thatsachen anführt, habe ich ohnlängst gesprochen in der Abhandlung
"Bon der Geltendmachung der durch eine strafbare Handlung begrün-
deten Ansprüche des Verletzten« in GoltdammerS Archiv des Preuß.
StrafrechfS. Baud III. 1855. S. 577—604.

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