Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

Ueber angelsächsische Markverfaffung. 207
^!ts, auch nach der normannischen Eroberung regelmäßig eines
Drittels solcher Einkünfte, bewahrte.
Bei dieser Stellung des Ealdorman nmrbe erklärlicherweise da-
neben ein anderer Beamter vom König für die Grafschaft bestellt,
ein Gerefa, dem besonders das Interesse des königlichen Fiskus
anvertraut seyn mochte l8). So lange der Ealdorman das Graf-
schaftsgericht abhielt, erschien dieser Geroka als ein vom Könige
bestellter Stellvertreter des Grafen, dem allmälig, wie vom Grafen-
amt mehr und mehr blos Ehre und Titel blieb, auch die richter-
lichen Funktionen zufielen. Er erscheint schon früher in jenem Ge-
richte '*). So vereinigte der Sheriff den Charakter eines königlichen
Beamten und zugleich Eines, der als Führer des militärischen Auf-
gebots und als Inhaber der „Pax“ Vicecomitis, d. h. der Juris-
diktion der Grafschaft, diesen Bezirk in seiner korporativen an die
frühere Unabhängigkeit erinnernden Stellung repräsentirte. Obgleich
königlicher Beamter, legte er darum auch nach der normännischen
Eroberung sein Amt nach alter Sitte beim Ableben des Königs
nicht nieder, was bei den königlichen Richtern von Westmüuster
lange der Fall war ™). Es finden sich allerdings ausnahmsweise
unter den normännischen Königen in der Grafschaft gewählte She-
riffs, doch nur als Abhilfe gegen Bedrückungen von Vorgängern
im Amte, und für große Summen bewilligt^').
Das Ansehen des Gereka der Grafschaft stieg ebenso, wie das
der alten volksthümlichen Richter sank, besonders .in Folge der Ein-
führung eines neuen, zweimal jährlich vom Gereka in den verschie-
denen Hunderten im Umzug abgehaltenen großen Rügegerichts, des

18) Kemble faßt den Gerefa als volksthümlichen Richter, nach einer Ab-
leitung von reaian, == bannitor. Diese Ableitung dürfte nicht glück-
licher seyn als andere. — Vgl. Mühlenhoff im Gloß. zu Waitz, Altes
Recht 8. n. grafio. Den Ealdorman nimmt er wie oben, aber es ist
nicht abzusehen, was zwei populäre Beamte der Grafschaft sollen, auch
nicht wie einem Volksbeamten die Sorge des Fiskus anvertraut wer-
den konnte; vgl. auch Lappenberg II, 388 und Dahlmann, Gefch.
v. Dänem. II, 300, über den armadr, den kbniglichen Vogt.
19) Kemble Saxon. Vol. II. ch. N.
20) Coke Inst. 2, p. 175.
21) Bei Madox hist, of the Exehequer. — Da- zu gleichem Zwecke ge-
gebene Stat. 28. E. l. c. 14 wurde durch 9 E. II, 2 wieder aufgehobeü.

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