Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

Beitrag den deutschen Rechtssprichwörtern, fit
art. 70 & (pg. 111) art. 105. — Stat. Stadensea (ib. pg. 171) I, 5.
— Görlitz. Str. (Gaupp pg. 296) art. 76 jener, deme die erste
gäbe gegeben ist, mac iz wol Widerreden mit rechte ob her wil,
und ob her des gezug hat an deme richtere unde an den schep-
phen, daz im die erste gäbe gegeben ist; wenne dar ubir die eh-
ein ander gezug kommen mag mit dicheime rechte. — Ohne Zweifel
gehen aber diese Sätze darauf, daß nicht blos bei Eigenthumser-
werbung, Verpfändung rc., sondern auch bei bloßen Verträgen,
wenigstens wenn sie auf Liegenschaften sich bezogen, derjenige den
Vorrang hatte, dem das Gut zuerst „verdinget" worden war,
und das Sprichwort „wer eher kommt, malt eher" hat also auch in
allen solchen Fällen, mindestens eine analoge Anwendung.-
Auf Grundsätze des Prozeßrechtes läßt sich jedoch auch be-
ziehen das Sprichwort
4) Wer A sagt, muß auch B sagen.
Denn ganz nahe liegt auch hier vor Allem in den Ausdrücken
„B sagen" und „besagen" ein Wortspiel, wodurch das Sprichwort
eine rechtliche Bedeutung gewinnet, da „besagen" in unseren Quel-
len, als vollständig technischer Ausdruck, für das Ab leugnen eines
Rechtsanspruches vor Gericht von Seiten des Beklagten gebraucht
wird; vgl. Sachsensp. (ed. Homeyer) I, 6. §• 3. Der seal he be-
kennen unde lesten; oder b e s a k e n, unde dar vore sveren. —
ib. §. 5- Der scult, die de man selve sculdig is, der ne darf man
eme nicht innern; he sal ir bekennen oder versaken, wofür an-
derwärts wiederum besaken, und in mehreren Handschriften
luoken, leugnen, sich findet. — ib. I, 22. §.2. ßesaket men
eres lones von eme jare oder von eme halven, dat moten se up
den hiligen wol beholden. — I, 51. §. 3. Dat mot he volbringen
silfdredde de it sagen unde horden, dat he vorgulden hebbe, of
he eme besaken wille (d. t. wenn der Zehntherr die bereits er-
folgte Abzahlung des Zehnten ableugnen will). — ib. II, 5. §. 2.
Umme alle andere sake, dar men den man umme sculdiget, scal
he antworten tohant; oder besaken, oder bekennen. — ib. II,
10. §. 5. oder scal eme beden, dat he bekenne unde betere to
rechter tid; oder besake. — Deßgl. II, 30- II, 35 §. 9. III, 4.
§. 2. III, 89. §. 2. und in vielen anderen Stellen. — Ganz tzr
demselben Sinne wird auch vorsaken d. i. „versagen" gebraucht.

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