Full text: Volume (Bd. 16 (1856))

Zur Staats- und Rechtsgeschichte der Wetterau. 7
verschiedenen Provinzen angehört. Die Belege, welche der Vers.
(Territorien S. 120 fg.) beibringt, sind durchweg mißverstanden.
Indessen kommen wir auf Landau's Grundidee zurück. Mark
ist ihm „das Gebiet eines Dorfes oder einer Stadt" (Terr. S. 112).
Die alten Marken umfaßten sämmtlich einen bedeutenden Flächen-
raum; um von einem Grenzpunkte zum andern zu gelangen, waren
nicht selten Tagereisen erforderlich; die alten Dörfer lagen dem-
nach sehr vereinzelt, durch weite Räume von einander getrennt.
Von jenem ersten Urdorfe gingen aber neue Ansiedlungen, neue
Dörfer aus. Dadurch entstanden in der Mark kleinere Marken;
das Urdorf war nun nicht mehr der alleinige Besitzer der Mark,
seine Mark hatte sich vielmehr verringert; allein dennoch hielt das
Ganze zusammen als ein einheitliches politisches Gebiet. Eine
solche Scheidung neben Zusammenhalten des Ganzen wiederholte
sich in noch späterer Zeit abermals und abermals (S. 116 ff.).
Bei jeder Scheidung aber veränderte sich der bisherige politische
Charakter der Marken: die bisherige Dorfgemeinde, welche eine
Decanie gewesen war, wird Cent, die bisherige Cent wird Gau
(Grafschaft S. 190) 3), der seitherige Gau aber scheidet sich in
mehrere Gaue (S. 196. 205). „Mit dieser Veränderung in der
Stellung zieht sich zugleich der alte Namen des bisherigen Ge-
sammtgau's auf engere Grenzen zurück: wie der alte Name der
großen Mark zuletzt nur noch an der kleineren Mark des Urdorfes
haften bleibt, ebenso bleibt auch der alte Gaunamen mit dem enge-
ren Bezirk des alten Gaumittelpunktes verknüpft" (S. 205). So
„einfach und von der Natur selbst gewiesen" dem Verf. dieser Entwick-
lungsgang (S. 119) erscheint, so ist er doch in seinen eigenen An-
sichten nicht zu einer irgend erträglichen Klarheit gelangt, vielmehr
begegnen wir den wesentlichsten Widersprüchen. Denn S. 190 sieht er
in dem Gau (der Grafschaft) das einzige Glied zwischen der (ältesten)
Dorfgemeinde (Mark, Decanie) und der großen Gesammtheit des
Volkes und Landes; trotzdem soll die Mark keine Unterabtheilung
des Gau's, ja überhaupt keine politische Abtheilung sein. Ferner
gibt es nach Landau in der ältesten Zeit keine Centen, sie entstchen
erst durch seine Scheidungen; trotzdem sucht er sie (S. 191) schon
3) Deßhalb wurde das Centgericht nach Landau das "hohe Gericht«,
deßhalb der Blutbann Ceytgericht genannt!

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