Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

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B-G-B. 88 823, 828 Abs. 2.

Die Revision hat unter andern! geltend gemacht, es sei nur fest-
gestellt, daß der Beklagte fahrlässig gehandelt habe, das genüge bei dessen
jugendlichem Alter nach 8 828 Abs. 2 des B.G.B. nicht, es müffe zur
Fahrlässigkeit die Erkenntniß des Thäters hinzukommen, daß sein Thun
rechtswidrig sei und er für dessen Folgen aufzukommen habe. Das
sei nicht festgestellt. Auch der Annahme werde widersprochen, daß der
Beklagte für das Fehlen der in § 828 Abs. 2 erforderten Einsicht beweis-
pflichtig sei.
Diese Angriffe sind unbegründet.
Die eigenen Ausführungen des Berufungsgerichts in Verbindung mit
den von ihm gebilligten Darlegungen der ersten Instanz sind dahin zu
verstehen: Ein Knabe von 13 Jahren besitze regelmäßig genügende geistige
Reise und Erfahrung, um bei einer Ueberlegung, wie sie auch bei einem
Spiele der in Rede stehenden Art von Knaben solchen Alters erfordert
werden müsse, erkennen zu können, daß, wenn er mit einem starken langen
Stabe Stöße führe zur Abwehr von Spielgefährten, von denen er wisse,
daß sie sich in ihm erreichbarer Nähe befänden, deren augenblicklichen
Standort er aber nicht sehen könne, er diese in Gefahr bringe, ernstliche
Verletzungen zu erleiden. Ein solcher Knabe habe aber auch regelmäßig
Einsicht genug, zu wissen, daß er seine Spielkameraden einer solchen
Gefahr nicht aussetzen dürfe, und daß er ein Unrecht begehe, wenn er
es thue.
Diese Ausführungen sind nicht rechtsirrthümlich oder ungenügend.
Es ist weder die Annahme, daß ein Knabe von 13 Jahren regelmäßig die
bezeichnete Einsicht habe, noch die, daß einem solchen auch bei einem Spiele
der hier in Frage stehenden Art das vom Berufungsgericht verlangte Maß
von Ueberlegung und Vorsicht anzusinnen sei, zu beanstanden. Das- Be-
rufungsgericht hat aber auch mit diesen seinen Ausführungen das Vor-
handensein, der gesetzlichen Voraussetzungen für die civilrechtliche Haftung
des Beklagten ausreichend sestgestellt. Dieser hätte danach bei gehöriger
Ueberlegung die Gefährlichkeit seines Vorgehens erkennen müssen, er hat
also, indem er die gefährliche Handlung vornahm, fahrlässig gehandelt, er
hat aber auch Einsicht genug gehabt, um zu wissen, daß er, wenn er seine
Spielgenossen der Gefahr schwerer Verletzung aussetze, gegen diese unrecht
handle. Damit ist dasjenige subjektive Erforderniß gedeckt, welches in
8 828 Abs. 2 des B.G.B. als „die zur Erkenntniß der Verantwortlichkeit
erforderliche Einsicht" bezeichnet ist. Mit Recht hat auch das Berufungs-
gericht angenommen, es sei weder für das Vorhandensein dieser Einsicht
noch für die Annahme einer Fahrlässigkeit erforderlich, daß für den Be-
klagten gerade die Folgen, welche sein Gebühren thatsächlich gehabt hat,
voraussehbar gewesen seien.

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