Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

Kretzschmar, Das Eigenthum an Grundstücken. 673
Versteigerung des Grundstücks behufs Aufhebung der zwischen ihm und
den anderen Miteigenthümern bestehenden Gemeinschaft wird deshalb nur
durch diejenigen Rechte beschränkt, die aus seinem Antheile haften und die
bei der auf seinen Antrag erfolgenden Zwangsversteigerung in Ansehung
des Stammes durch Uebernahme feiten des Erstehers gedeckt werden
müssen; solche Rechte dagegen, die nur aus einem andern Antheile hasten,
stehen seinem Theilungsanspruche nach und können, abgesehen von einer
nach 8 59 Abs. 1 getroffenen abweichenden Feststellung der Versteigerungs-
bedingungen, nur durch Berücksichtigung bei der Vertheilung des auf die
einzelnen Antheile entfallenden Baarerlöses Befriedigung finden. Die Höhe
des geringsten Gebots richtet sich also ausschließlich danach, wie hoch der
Antheil des Antragstellers belastet ist. Wenn der Antheil des Antrag-
stellers unbelastet ist, so ist das geringste Gebot ohne jede Rücksicht auf
die Belastung der anderen Antheile nur aus den Betrag der Kosten des
Verfahrens sestzusetzen.
Dies ist die gesetzliche Regelung für den Fall, daß die an dem An-
theile des Antragstellers bestehenden Rechte nur aus diesem, einen Antheile
hasten. Belastet ein Recht das ganze Grundstück oder doch wenigstens zu-
gleich noch einen andern Antheil als denjenigen des Antragstellers, so
bleibt das Recht bei der Versteigerung auch an den anderen Antheilen be-
stehen und ist daher bei der Feststellung des geringsten Gebots in der Weise
zu berücksichtigen, daß es für die Berechnung der Ausgleichungssummen
nur nach dem Verhältnisse des Antheils des Antragstellers zu den mit-
belasteten Antheilen eingestellt wird. Ist z. B. der Antheil des Antrag-
stellers, der '/» beträgt, mit einer Hypothek von 6000 Mk. belastet, die zu-
gleich an einem andern Antheile besteht, und dieser letztere Antheil beträgt 1j2,
so kommen die 6000 Mk. bei Feststellung des geringsten Gebots für den
Antheil des Antragstellers nur im Verhältnisse von 1/3: */j = 2:3, d. i. nach
Höhe von 2400 Mk. zum Ansatz; das geringste Gebot beträgt daher
ziffermäßig — ohne Berücksichtigung der Kosten und Nebenleistungen —
2400 Mk. X 3 == 7200 Mk. und besteht in der .Uebernahme der auf den
zwei Antheilen haftenden Hypothek von 6000 Mk. und der Zahlung
der auf den dritten Antheil (Ve) entfallenden Ausgleichungssumme von
1200 Mk.
Nun ist es aber auch möglich, daß auf dem Antheile, welchen das
Recht mitbelastet, noch andere Rechte mit besserem und gleichem Range
haften. Derartige Rechte sind nach 8 182 Abs. 2 ebenfalls mit in das
geringste Gebot aufzunehmen. Es ist dies eine Folge davon, daß ihre
Deckung nach 8 10 des Zw.V.G. eine unerläßliche Bedingung für die
Deckung des den Antheil mitbelastenden Rechtes ist. Im übrigen gilt auch
hier, daß sich, wenn bei einem Antheil ein größerer Betrag zu berück-
Archiv für Bürgerl. Recht u. Prozeß. XII. 43

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