Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

Kretzschmar, Das Eigenthum an Grundstücken. 665
der Belastung frei. Handelt es sich jedoch um eine Hypothek (Grundschuld,
Rentenschuld), so wird die Vorschrift des § 1182 entsprechend anzuwenden
und anzunehmen sein, daß die Hypothek nach Höhe des etwaigen Ersatz-
anspruchs auf den Eigenthümer des versteigerten Antheils übergeht. Die
Folge dieser Regelung ist die, daß ein Antheil, der mit einem auch noch
aus anderen Antheilen haftenden Rechte belastet ist, nur dann ohne
Gefahr weiter beliehen werden kann, wenn er bei Berücksichtigung des
ganzen Rechtes noch genügende Sicherheit bietet. Es gilt also dasselbe,
wie bei der Gesammthypothek.
Wird das ganze Grundstück versteigert, so sind bei der Vertheilung
des Erlöses aus die einzelnen Antheile die Vorschriften im 8-112 des Zw.V.G.
sinngemäß anzuwenden. Die Befriedigung eines auf mehreren Antheilen
hastenden Rechtes erfolgt nach Verhältniß der Antheile; ein Recht des
Gläubigers, in einem andern Verhältnisse aus dem auf die einzelnen
Antheile entfallenden Versteigerungserlöse befriedigt zu werden, besteht
hier nicht.
Das Miteigenthum und das Gesammteigenthum unterscheiden sich
vom Alleineigenthum dadurch, daß bei ihnen an Stelle eines einzigen Be-
rechtigten eine Mehrzahl von Berechtigten vorhanden ist. Steht ein Recht
mehreren gemeinschaftlich zu, so kann nicht ein jeder einzelne unbeschränkt
und ohne Rücksicht auf die anderen alle diejenigen Befugnisse ausüben,
die sich an sich aus dem Rechte ergeben. Dieser Umstand macht es er-
forderlich, daß das Gesetz Vorschriften trifft, durch welche die Verwaltung
und Benutzung geregelt wird. Die Gemeinschaft zu Bruchtheilen begründet
zwischen den Betheiligten ein obligatorisches Rechtsverhältniß; mit Rück-
sicht hierauf unterliegt bei ihr die Verwaltung und Benutzung des ge-
meinschaftlichen Gegenstandes in erster Reihe der fteien Vereinbarung der
Betheiligten. Eine solche Vereinbarung würde nach allgemeinen Rechts-
grundsätzen nur die Vertragschließenden binden. Dies war noch der
Standpunkt des Entwurfs; nach der. von der II. Kommission eingesügten
Vorschrift des 8 146 dagegen wirkt sie auch für und gegen die Sonder-
nachsolger und ist also mit dinglicher Wirkung ausgestattet. Nur ist beim
Miteigenthum an Grundstücken — anders wie bei demjenigen an beweg-
lichen Sachen — nach 8 lOlO Abs. 1 diese Wirkung passiv daran gebunden,
daß die getroffene Bestimmung als Belastung des Antheils des.Miteigen-
thümers im Grundbuche eingetragen ist. Erst von der Eintragung an
kommt der Bestimmung dingliche Wirkung zu; erwirbt ein Dritter einen
Antheil am Grundstücke, so braucht er die nicht im Grundbuche ein-
getragene Bestimmung über Verwaltung und Benutzung selbst dann nicht
gegen sich gelten zu lassen, wenn er von ihr Kenntniß hatte. Trotzdem
stellt sich die Eintragung nicht als eine Belastung des Grundstücks im

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