Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

660 Kretzschmar, Das Eigenthum an Grundstücken.
Personen zusteht, nothwendig Miteigcnthum begründet, soweit nicht das
Gesetz für das vorliegende konkrete Gemeinschaftsverhältniß etwas Ab-
weichendes bestimmt.
. Das Wesen der Gemeinschaft nach Bruchtheilen besteht, wie
der Name besagt, darin, daß jedem Theilhaber ein bestimmter Antheil an
dem gemeinschaftlichen Gegenstände zusteht und daß die rechtliche Ver-
bindung der Vetheiligten sich in den Beziehungen erschöpft, die dadurch
begründet werden, daß der gemeinschaftliche Gegenstand nicht einer ein-
zelnen Person, sondern einer Mehrzahl von Personen zusteht. Die
Folge ist, daß der Antheil eines jeden Theilhabers als ein selbständiges
Recht von der gleichen Art wie das Recht als Ganzes behandelt wird
und daß daher jeder Antheil in der gleichen Weise wie das Recht selbst
der Verfügung des Theilhabers unterliegt und der Zwangsvollstreckung
zugängig ist.
Das römische Recht kannte nur diese eine Form der Gemeinschaft.
Den Gegensatz hierzu bildet die deutschrechtliche Gemeinschaft zur ge-
sammten Hand, die auch als echte Gemeinschaft bezeichnet wird. Bei
ihr sind die Gemeinschafter durch ein zwischen ihnen begründetes persön-
liches Rechtsverhältniß (Gesellschaft, Ehe, Erbengemeinschaft) in der Weise
verbunden, daß sie „insgesammt" („sammt und sonders") berechtigt und
verpflichtet sind. Obwohl die echte Gemeinschaft der juristischen Per-
sönlichkeit entbehrt und demnach die einzelnen Mitglieder die Subjekte
des gemeinschaftlichen Vermögens sind, so ist es bei ihr doch die durch
das bestimmte Rechtsverhältniß zusammengeschloffene Personeneinheit, der
das gemeinschaftliche Vermögen gehört, weshalb die Aktivberechtigung der
Gemeinschafter, so lange die Gemeinschaft besteht, sich in den Befugnissen
erschöpft, die ihnen je nach der Art der Gemeinschaft dieser gegenüber
zustehen. Vor allem gehören daher die einzelnen Gegenstände des gemein-
schaftlichen Vermögens den Gemeinschaftern nicht zu Bruchtheilen; eine
Austheilung des gemeinschaftlichen Vermögens findet erst nach der Be-
endigung der Gemeinschaft statt. Bis dahin steht die Verfügung über
das gemeinschaftliche Vermögen und über die dazu gehörenden Gegenstände
nur den sämmtlichen Gemeinschaftern zusammen oder an ihrer Stelle der-
jenigen Person zu, die nach dem Gesetze die Gemeinschaft zu vertreten hat.
Hieraus folgt zugleich, daß bei der Gemeinschaft zur gesammten Hand
auch keine Zwangsvollstreckung in einen Antheil an den einzelnen Gegen-
ständen zulässig ist.
Mit Rücksicht auf diese verschiedene Gestaltung der Gemeinschafts-
Verhältnisse ist nach § 48 der G.B.O. die Eintragung eines gemeinschaft-
lichen Rechtes im Grundbuche nur, in der Weise gestattet, daß bei der
Gemeinschaft nach Bruchtheilen die Antheile der Berechtigten in Bruch-

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