Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

10.2. Klössel, M. H., Sächsische Agrargesetzgebung.

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Literatur.

nicht der des Vermieters durch den des Untermieters vermittelt, weil dieser nur
dem Miether, nicht dem Vermieter gegenüber auf Besitz berechtigt ist (§ 868).
Trotzdem ist der Vermieter auch hier mittelbarer Besitzer geblieben, denn sein Besitz
ist jetzt durch den zum mittelbaren gewordenen Besitz des Miethers vermittelt. —
Danach steht dem Vermieter gegen den Untermieter zwar kein Anspruch wegen
Besitzentziehung (§ 861) zu, weil er nach wie vor Besitzer ist. Wohl aber, wenn die
Mietsache beweglich ist, der Fahrnißanspruch aus § 1007, dessen sich auch der
mittelbare Besitzer gegen seinen Besitzmittler bedienen kann (vergl. Hellwig, Rechts-
kraft S. 352). Und endlich ist ihm auch, mag die Mietsache beweglich oder un-
beweglich sein, ein Anspruch aus Besttzstörung (§ 862) nicht zu versagen, da es eine.
Beeinträchtigung seines mittelbaren Besitzes ist, wenn dieser infolge Eingriffs des
Untermieters hinfort durch mittelbaren, anstatt wie bisher durch unmittelbaren
Besitz des Miethers vermittelt wird. Demnach steht dem Vermieter ohne Rücksicht
auf sein Recht an der Mietsache wider den bösgläubigen Untermieter einer be-
weglichen Sache der Fahrnißanspruch des § 1007, und binnen Jahresfrist gegen den
bösgläubigen Untermieter jedweder Sache der Besitzstörungsanspruch des § 862
zu; er kann sich des Untermiethers also auch unter Festhaltung des Miethers am
Vertrage direkt entledigen. - Professor Dr. Siber, Erlangen.

Sächsische Agrargesetzgebung. Von M. Hans Klössel, Generalkommissionssekretär
in Dresden. Berlin 1902, Paul Parey. 58 S. Preis 1,50 Mk.
Die kleine Arbeit, welche eine eingehende Beschäftigung des Verfassers mit
dem bezüglichen Stoff und der einschlagenden Literatur erkennen läßt, enthält nach,
einleitenden Bemerkungen über, die Entwickelung der agrarischen Verfassung in
Deuffchland in knapper Form eine Uebersicht über die seit Beginn des vorigen
Jahrhunderts in Sachsen zur Aufhebung der rechtlichen und wirthschaftlichen Ge-
bundenheit des Grund und Bodens ergangenen gesetzgeberischen Maßnahmen, unter
besonderer Berücksichtigung des Arbeitsgebietes der Kreishauptmannschaft Dresden
als Generalkommisston für Ablösungen und Gemeinheitstheilungen. Ihr eigent-
licher Werth liegt in der mit dankenswerther Ausführlichkeit gegebenen Darstellung
d.es Ganges der einzelnen. Zusammenlegungsgeschäfte und der Voraussetzungen der
Inanspruchnahme von Anlagekapital zu Landeskulturzwecken.
Nicht nur den mit der Handhabung der in Betracht kommenden Vorschriften
speziell betrauten Verwaltungsbeamten, sondern vor allem den praktischen Land-
wirthen und namentlich den Vorständen der landwirthschastlichen Vereine dürfte
das Merkchen in den in ihm behandelten Fragen als anregender und nützlicher
Rathgeber willkommen sein. Regierungsassessor Dr. Oertel, Dresden.

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