Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

9.2.10. Entschließung des Vormundschaftsgerichts bei Erziehungsstreitigkeiten zwischen geschiedenen Ehegatten; thatsächliche Feststellungen des Landgerichts, maßgebend für das Oberlandesgericht (S.B.G.B. § 1749; D.B:G:B: § 1635; G.F.G: § 27; C.P.O. § 561).

Erziehungsrecht geschiedener Eltern. 249
ist, dem Mündel den Schutz gewähren, den ihm der Abs. 1 des § 1812 tut
Falle der Bestellung eines Gegenvormunds durch das Ersorderniß der
Genehmigung des letzteren zu gewähren bezweckt.

Lntschliestung des vornrundscl^aftsgerichts bei Lrziehungs-
streitigkeiten zwischen geschiedenen Lhegatten; thatsächliche
Feststellungen des Landgerichts, inastgebend für das Gberlandes-
gerlcht (S.B.G.B. 8 D.B.G.B. § 1(655; G.F.G. § 27; '
L.P.G. § 56Y.
(Beschluß des O.L.G. Dresden vom 19. Dez. 1901. 293 VI/1901.)
Das Landgericht hat in dem angefochtenen Beschlüsse angeordnet,
daß die am 17. März 1895 geborene Anna P. ihrem Vater, dem Kauf-
mann P. in 3c., zur Erziehung zu überlassen sei. Das Kind stammt aus
der vor dem 1. Januar 1900 geschiedenen Ehe des genannten P. mit der
Beschwerdeführerin. Das Landgericht ist bei seiner Entscheidung davon
ausgegangen, daß in der vorliegenden Erziehungsstreitigkeit — gemäß
Art. 206 des B.G.B.D. — die Vorschrift in §1749 des S.B.G.B. Anwendung
zu finden habe. Die Entscheidung darüber, welchem Elterntheile die Er-
ziehung des Kindes zu überlassen sei, hänge daher von Beantwortung der
Frage ab, ob für das Wohl des (über sechs Jahre alten) Kindes bei der
Mutter besser gesorgt sei, als beim Vater. Aus Grund der in der Ent-
scheidung zusammengestellten Ergebnisse der gepflogenen Erörterungen lasse
sich aber nicht annehmen, daß für das Kind bei dem Vater nicht so gut,
als bei der Mutter gesorgt sein würde. Auf dieser thatsächlichen Feststellung
beruht die angefochtene Entscheidung; die hiergegen von der Mutter er-
hobene Beschwerde wurde zurückgewiesen.
Durch die Feststellung des Landgerichts, daß für das Wohl "des
Kindes bei der Mutter nicht besser gesorgt sei als beim Vater, ist auch
verneint, daß in Bezug aus die Sorge für die Person des Kindes „aus
besonderen Gründen im Interesse des Kindes" (wie es in § 1635 des B.G.B.
heißt) eine von der gesetzlichen. Regel abweichende Anordnung geboten sei.
Die Vorschrift in § 1749 des S.B.G.B., wonach das Vormundschaftsgericht
bezüglich der Ueberlassung der Kinder an den einen oder den andern der
geschiedenen Ehegatten eine von der gesetzlichen Regel abweichende An-
ordnung treffen kann, wenn für das Wohl des Kindes bei dem andern
Ehegatten besser gesorgt ist, besagt dem Sinne nach dasselbe, wie die Vor-
schrift in § 1635 Abs. 1 Satz 2 des D.B.G.B. Sowohl nach § 1?49 des
S.B.G.B., wie nach § 1635 des D.B.G.B. soll für die Entschließung des
Vormundschaftsrichters ausschließlich das Interesse des Kindes maßgebend

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