Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

9.2.3. Haftung für Thiere nach § 833 des B.G.B. Den Halter der Thiere braucht kein verschulden in der Beaufsichtigung zu treffen. Er haftet schon dann, wenn nur der Schaden "durch das Thier" entstanden ist. Das ist aber nicht der Fall, wenn das Thier nur einem von einem Menschen geübten Zwange gehorcht.

Haftung für Thiere.

231.

Eine andere Beurtheilung würde auch dann nicht geboten sein, wenn
anzunehmen wäre, daß die Klägerin das an die Sparkasse gezahlte Geld
von ihrem Manne während der Ehe geschenkt erhalten hätte. Zwar würde
die Schenkung nach dem hier maßgebenden gemeinen Rechte nichtig sein.
Die Nichtigkeit könnte, zur Folge haben, daß die Klägerin nicht Eigen-
thümerin des Geldes geworden ist, würde aber nicht verhindern, daß sie
durch Ausleihung dieses ihr nicht gehörigen Geldes Darlehnsgläubigerin
der Sparkasse wurde. Ihrem Manne würde diesfalls nur ein persönlicher
Anspruch auf Uebertragung der Darlehnsforderung zustehen. Solange
diese Uebertragung nicht geschehen ist,, bleibt die- Forderung der Klägerin
und diese selbst zur Widerspruchsklage gegen die Pfändung legitimirt, ohne
daß sich die Beklagte mit dem Kondiktionsanspruche des Ehemannes der
Klägerin vertheidigen kann.

Haftung für Thiere nach 8 833 des B.G.B. Den Walter der
Thiere braucht kein Verschulden in der Beaufsichtigung zu
treffen. Lr haftet schon dann» wenn nur der Schaden „durch
das Thier" entstanden ist. Das ist aber nicht der Hall, wenn
das Thier nur einem von einem Menschen geübten Zwange
gehorcht.
(Urth. des O-L-G- Hamburg, III. Civilsenat, vom 14. Mai 1901.)
In einem Hause in B. wurde ein Schaufenster durch einen Mit zwei
Pferden bespannten Sandwagen zertrümmert. Eigenthümer und Halter
der Pferde war der Beklagte. Er ist von dem Ladenbesitzer aus Ersatz des
Schadens verklagt, indem Kläger behauptet hat, der Schaden sei dadurch
entstanden daß die Pferde scheu geworden, ihrem Führer, dem Knechte des
Beklagten, nicht mehr gehorchend rückwärts gegangen seien und so den
Wagen in das Schaufenster hineingedrängt hätten.
Die Klage ist in beiden Instanzen zurückgewiesen.
Aus den Gründen des Berufungsurtheils:
Nach den Ergebnissen der Beweisaufnahme (wird näher ausgesührt)
sind die Pferde keineswegs scheu geworden, sondern nur deshalb zurück-
gegangen, weil der Knecht sie an den Zügeln zurückriß. Nach den Aus-
sagen zweier Zeugen ist dies so lange geschehen, bis der Wagen in das
Schaufenster hineindrang. Aber wenn es auch so gewesen wäre, wie der
Knecht des Beklagten die Sache darstellt, daß er im letzten Augenblicke
mit dem Zurückziehen der Pferde aufgehört und sie mit der Peitsche zum
Anziehen angetrieben hätte, so ergiebt sich doch aus seiner Aussage, daß
die von ihm erzwungene heftige Rückwärtsbewegung der Pferde den

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