Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

Haftung des Rechtsanwalts.

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Der Beklagte wollte nun angenommen wissen, daß dem Kläger bei
Erledigung der ihm ausgetragenen Fyrderungspsändung ein Versehen zur
Last falle, insofern er unterlassen habe,' die Pfändungsankündigung und
später den Pfändungs- und Ueberweisungsbeschluß auch dem Subhastaten
S. zuzustellen. Der Kläger bestritt, daß hierin ein von ihm zu vertretendes
Versehen liege, er habe in der Frage dje von Jäckel in seinem Buche
„Zwangsvollstreckung in Immobilien" vertretene Ansicht befolgt.
Das Landgericht L. war der Meinung, daß es an sich Pflicht des
Klägers gewesen wäre, die Zustellung auch an S. zu bewirken, kam aber
aus anderen Gründen zu der Meinung, daß die Gegenforderung nicht be-
gründet sei, und das Oberlandesgericht B. erkannte, ohne über die Frage
des Verschuldens des Klägers direkt zu entscheiden, ebenfalls gegen den
Beklagten, weil nach Lage der Sache nicht nachweisbar sei, daß es möglich
gewesen sein würde, der Zustellung des Erstehers N. zuvorzukommen.
Die Revision des Beklagten wurde aus den nachstehenden Gründen
zurückgewiesen:
Die erste und wesentlichste Frage im gegenwärtigen Prozeß war die, ob
den Kläger wegen der Unterlassung einer Zustellung an den Subhastaten S.
ein von ihm zu vertretendes -— wenn auch nur geringes — Verschulden
treffe. Und diese Frage ist entgegen der von dem ersten Richter vertretenen,
von dem Berufungsgericht anscheinend gebilligten, Auffassung zu verneinen.
Es mußten in dieser Richtung die Ausführungen des Revisionsbeklagten
für zutreffend erachtet werden. Die Frage, wem der Beschluß, wodurch
der Anspruch des Hypothekengläubigers auf den Subhastationserlös nach
Erlaß des Zuschlagsurtheils gepfändet wird, zugestellt werden müsse — ob
in einem solchen Fall ein Drittschuldner im Sinne von 8 730 der C.P.O.
vorhanden und wer dies sei — wird noch in dem reichsgerichtlichen Urtheil
vom 22. Dezember 1897 als eine in der Praxis und Literatur sehr um-
strittene Frage bezeichnet. Für den erwähnten, bezw. den allerdings davon
verschiedenen Fall einer Pfändung des Anspruchs des Subhastaten aus den
Uebererlös wurde von der einen Seite der Ersteher, von der andern der
Subhastat, oder der Vollstreckungsrichter als Drittschuldner angesehen; oder
es wurde überhaupt verneint,, daß in dem fraglichen Fall ein Drittschuldner
im Sinne des 8 730 alter Fassung der C.P.O. vorhanden sei, und be-
hauptet, daß das Recht des Hebungsberechtigten auf Befriedigung aus dem
Kaufgeld nach § 754 Abs. 2 der C.P.O. zu pfänden sei, oder daß bei
konkurrirendem dinglichen und persönlichen Anspruch zugleich eine Pfändung
des persönlichen Anspruchs nach § 730 der C.P.O. und Zustellung des
Pfändungsbeschlusses an den Schuldner (des Verfahrens) als Drittschuldner
erfolgen müsse (vergl. Schneider im Archiv für civil. Praxis Bd.69 S.288ff.;
Krech und Fischer, Zwangsvollstreckung in das unbewegliche Vermögen

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