Full text: Volume (Bd. 12 (1902))

Förster, Stellung, Rechte und Pflichten des Testamentsvollstreckers. 155
Erbauseinandersetzung (§ 2204) nicht unter den Z 2205 fallen, vielmehr
nur die Verfügungen kraft Verwaltungsrechts, ist bereits auszusühren
versucht? Solche Verfügungen kraft Verwaltungsrechts sind namentlich
Verfügungen über Nachlaßgegenstände zwecks Erfüllung anderer Nachlaß-
verbindlichkeiten als der aus einem Vermächtnisse oder einer Auflage ent-
standenen oder zwecks Beschaffung der Mittel für die Erfüllung einer
Nachlaßverbindlichkeit (gleichviel ob letztwilligen oder nicht) sowie reine
Verwaltungsversügungen, z. B. Einziehung außenstehender Forderungen,
Kündigungen, Verfügungen bei drohendem Verderb oder drohender Werth-
minderung.
Voraussetzung der Gültigkeit solcher Verwaltungsverfügungen ist
lediglich' die Entgeltlichkeit derselben, bezw. bei Unentgeltlichkeit, daß sie
durch sittliche Pflicht oder Rücksicht aus den Anstand geboten sind? Mcht
ist Voraussetzung der Gültigkeit, daß die Verfügungen zur ordnungs-
mäßigen Verwaltung erforderlich sind? Lediglich die Verpflichtung zum
Schadenersatz*, die Möglichkeit der Entlassung des Testamentsvollstreckers* * 3 * * 6 7
und die Strafandrohungen wegen Untreue6 sind Bürgschaften dafür, daß
sich der Vollstrecker bei seinen Verfügungen innerhalb der Grenzen ord-
nungsmäßiger Verwaltung hält.
Das Verfügungsrecht des Testamentsvollstreckers kann übrigens auch
im Falle des § 2205. gewissen Einschränkungen unterliegen. Das wichtigste
Beispiel bietet wohl das Bestehen von Vermächtnissen spezieller Nachlaß-
sachen. Diesensalls ist der Vollstrecker nach dem offenbaren Willen, des
Erblassers nicht befugt, über die vermachten speziellen Nachlaßsachen kraft
Verwaltungsrechts zu verfügen, etwa zwecks Erlangung der Mittel zur
Erfüllung sonstiger Verbindlichkeiten? Gleichwohl ist der Fall des § 2205
dadurch schwerlich ausgeschlossen. Das Gesetz setzt offenbar die Möglichkeit
des Bestehens eines Verwaltungsrechts am gesammten Nachlasse neben den
dem Testamentsvollstrecker nach den §§ 2203 u. 2204 zustehenden Befug-
nissen voraus. Die aus diesen Vorschriften (§§ 2203 u. 2204) sich er-
gebenden Beschränkungen der Versügungsmacht aus § 2205 werden die
Annahme, daß dem Vollstrecker gleichwohl die Verwaltung des ganzen
Nachlasses zusteht, nicht hindern. Dies ist nicht unwichtig, weil die Passiv-

> Oben S. 144 u. 145.
^ Meischeid er S. 499 unten.
3 Prot. Bd. 5 S. 279—282, 527 letzter Absatz: Märcker S. 168 oben.
« § 2219.
3 § 2227.
® St.G.B. § 266. .
7 § 2208 Abs. 1 Satz 1.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer