Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

Geltung der evangelischen Kirchenordnungen. 5
zu Stande gekommen, sondern in der Gestalt von Landeskirchen,
welche zwar mannigfache Verschiedenheiten an sich tragen, sich aber
zugleich in allen denjenigen Grundsätzen einig wissen, welche für
die kirchliche Eristenz wesentlich sind, so daß auch die territorialen
Eigenthümlichkeiten bei den Evangelischen als durchaus berechtigt
erscheinen und anzuerkennen sind.
Mit diesen Sätzen meinen wir die vorhin aufgeworfene Frage
genügend beantwortet zu haben; wir sind aber überzeugt, daß die
Richtigkeit dieser Sätze evangelischer Seits mit trifftigen Gründen nicht
wohl werde bestritten werden können und daß denselben nur die Zu-
stimmung derjenigen fehlen dürfte, welche in unhistorischer Neaction
und Repriftination befangen ihre Blicke allein auf ein unter allen
Umständen zu erstrebendes ideales Ziel hinrichten und ihre Augen vor
der Wirklichkeit der bestehenden Zustände verschließen. Indessen läßt
sich doch nicht verkennen, daß, ungeachtet der Zustimmung zu den
obigen Sätzen, aus andern Motiven und zwar aus eigentlichen
Rechtsgründen die sofortige Anwendbarkeit des älteren evangelischen
Kirchenrechts, insbesondere der Kirchenordnungen des sechszehnten
Jahrhunderts sollte behauptet werden können, und in der That
fehlte es schon früher nicht an Solchen, welche für die fortdauernde
Autorität dieser Rechtsquelle sich mit aller Entschiedenheit erklärten
und nicht blos ihre kaum von irgend einer Seite jemals bezweifelte
subsidiäre Geltung behaupteten, sondern derselben den Charakter
einer allem andern Recht vorzuziehenden Hauptquelle zu viudiciren
suchten. Die in Folge der neueren Verfassungen angebahnte oder
eingetretene Auseinandersetzung von Staat und Kirche hat dieser
Ansicht nicht wenige neue Freunde und Anhänger gewonnen, und
es verdient dieselbe daher eben so wohl aus wissenschaftlichem, als
aus praktischem Interesse eine sorgfältige Prüfung. Die Unter-
suchung darüber, ob und in wie weit die älteren Kirchenordnungen
schon vor dem Eintritt der neueren Ereignisse in Geltung standen,
hängt mit der Beantwortung der Frage, welches Ansehen denselben
in der Gegenwart zuerkannt werden dürste, so genau zusammen,
daß wir uns zu einer gesonderten Darstellung nicht veranlaßt finden
können. Schon nach den obigen Andeutungen besteht nicht ein so
großer Gegensatz zwischen der nächsten Vergangenheit und der Ge-
genwart; doch ist es allerdings richtig, daß die erlangte größere
Selbstständigkeit der Kirche Gelegenheit und Antrieb dargeboten hat,

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