Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

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Jacobson:
hier ein anderes werden. Dem Vorgänge Luthers folgend über-
lassen die Kirchenordnungen Anfangs lieber Manches der Obser-
vanz, als daß sie eine Anordnung treffen, welche vielleicht unter
den damaligen Umständen nicht angemessen wäre und deren Durch-
führung große Schwierigkeiten hätte bereiten können. Es waltet
ein gewisses Gesetz der Freiheit, ein einfaches Bestreben, die Ge-
wissen nicht zu beschweren.
„Man soll in allerlei äußerlichen Satzungen der Dinge, so
an ihnen selbst frei, und nicht wider den Glauben, noch die
Liebe sind, den Unterschied haben , daß man sie halte aus
Liebe und Freiheit, zu Willen der Andern, bei denen man ist,
daß man sich mit jenen reime und füge — . —. Denn aus
Liebe und Freiheit solches halten, schadet Nichts; aber aus
Noth und Gehorsam halten, ist verdammlich. Das soll auch
in den Ceremonien, Gesang, Gebeten und allen andern Kir-
chenordnungen verstanden werden, so lange man solches aus
Liebe und Freiheit thut; nur zu Dienst und Willen der Ge-
sellschaft, die da ist, soll mans halten, wo es sonst ein Werk
an ihm selbst nicht böse ist. Wenn man aber darauf dränget,
es müsse also sein, alsobald soll man ablaffen, und dawider
handeln, um die Freiheit des Glaubens zu erhalten" "?).
In diesem Sinne wird die Befolgung der zehn Gebote nicht
auf den Befehl Mosis, sondern Gottes selbst zurückgesührt, wie in
der Brandenburg-Nürnberger Kirchenordnung von 1533 sich dar-
über folgende Erklärung findet:
„Wiewol wir auch die Zehn gebot nicht darumb annemen,
das sie von Mose Herkummen, wir müssen sonst das gantz ge-
setz Mosy annemen, sundern darumb allein, das Moses das
gesetz der natur, darzu alle menschen zu gleych verpflicht sein,
auffs aller feynest hat angezeygt, vnd das was Christus vnd
die Apostel darauff weysen.
Dann was nicht aus dem gesetz und der uatur ist, vnd
Christus oder die Apostel' vns dasselbig anzaigen, vnd für
vnnöttig erklären, das lassen wir auch faren, als dann Chri-
stus thut mit dem Sabath, Mathei am XII. vnd Luca

137) Luther'- Werke von Walch XU. 117.

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