Volltext: Band (Bd. 19 (1859))

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Jacobson:
konnten für die römische Kirche entweder sogleich vollzogen werden,
oder sie gehen ihrer endlichen Vollziehung jetzt mit immer entschie-
denerem Erfolge entgegen. Die dem kanonischen Recht und der
hodie vigen» ecelesiae disciplina widersprechende ältere Staatsge-
setzgebung ist bereits aufgehoben oder wird in nicht gar langer Zeit
immer mehr abgeschafft werden.
Bei diesem Vorgänge und den offenbar so großen Fortschritten,
welche die römische Kirche nunmehr gleichsam erobernd gemacht hat,
können sich die Evangelischen natürlich nicht gleichgiltig verhalten
und man darf sich wohl nicht wundern, daß es unter ihnen an
Solchen nicht fehlt, welche ähnlichen Wünschen ihr Herz öffnen.
Dies kann aber nur in gleicher Weise bei denen der Fall sein,
welche für den Augenblick vergessen haben, daß die Verhält-
nisse der evangelischen Kirche durchaus verschieden sind von denen
der römischen und daß jene sowohl wegen ihres gegenwärtigen
Bestandes, als um ihrer Prinzipien willen gehindert ist, sich in eine
gleiche Lage zu versetzen. Die römische Kirche ist niemals so sehr
mit dem Staate verwachsen gewesen, als es die evangelische Kirche
vielfach noch augenblicklich ist, und zwar in dem Maaße, daß ihr
zum Theil selbst noch die Organe fehlen, welche die ihr verheißenen
Güter in legitimer Weise in Empfang zu nehmen und die ihr ge-
botenen Freiheiten in Vollzug zu setzen im Stande sind. Selbst
darüber bestehen noch Zweifel, welche Angelegenheiten als kirchliche
zu betrachten und zur Selbstverwaltung vom Staate zurückzugeben
sein würden. Ueber die Grenzen der Kirchenhoheit, der jura circa
sacra, welche evangelischer Seits dem Staate niemals bestritten sind,
und der jura in sacra, welche als Bestandtheile des Kirchenregiments
von der Kirche selbst zu verwalten sein würden, sind keineswegs die
Ansichten in voller Einstimmigkeit; wie namentlich darüber, ob die
Kirche auch auf diejenigen Rechte einen Anspruch habe, welche früher
den Bischöfen als Inhabern des Regiments nur jure humano vom
Staate überlassen waren, wie im Gegensätze gegen das kanonische
Recht die Reformatoren angenommen hatten.
Die Erwägung dieser und anderer Schwierigkeiten, so wie die
nach der ersten Ueberstürzung wieder hergestellte Beruhigung hat
einen Theil derer, welche im Jahr 1848 für die Autonomie der
Kirche, verbunden mit der Aufhebung des landesherrlichen Episkopats,
in die Schranken getreten waren, zu Gegnern kirchlicher Selbst-

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