Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

3. Ueber die Geltung der älteren evangelischen Kirchenordnungen in der Gegenwart

I*
Leber die Geltung der älteren evangelischen Kirchenord-
nungen in der Gegenwart.
Bon
H. I. Jacobson^
ord. Professor der Rechte in Königsberg.

„Die Liebhaberei an dem Eigenthümlichert und Alters
thümlichen als solchem ist schön und gut, aber die ei-
gentliche Wahrheit ist doch schöner, und die Sorge für
das lebendige Bedttrfniß der Gegenwart ist doch besser."
v. Savigny.
Die neuerdings erfolgte Lösung langjähriger Fesseln, die Be-
freiung von der bisherigen Bevormundung durch den Staat, die
Gewährung der selbstständigen Verwaltung der eigenen Angelegen-
heiten hat die Kirche in eine Lage versetzt, in welcher die Motive
zur Erfüllung der ihr obliegenden Pflichten in demselben Maaße
stärker geworden, als die ihr zustehenden Rechte gewachsen sind.
Für die römisch-katholische Kirche sind durch die eingetretenen
Veränderungen nicht gerade besondere Schwierigkeiten entstanden:
denn diese Kirche hat die Abhängigkeit vom Staate jeder Zeit als die
Verletzung eines göttlichen Prinzips, ihres Dogma selbst, betrachtet
und unabläßig dafür gekämpft, sich derjenigen Freiheiten ungehindert
bedienen zu dürfen, welche das kanonische Recht und die vom apo-
stolischen Stuhle gut geheißene Disciplin als ihre Attribute bezeich-
nen. Die römische Kirche selbst in den Zeiten der größten Be-
schränkung in einer Organisation, welche sie zu einer dem Staate
ähnlichen Anstalt macht, harrte mit Sehnsucht des Augenblicks, in
welchem sie die von ihr jure divino beanspruchten Güter wieder an sich
nehmen konnte, und setzte sich auch alsbald in den Besitz derselben,
nachdem von Seiten des Staats die Proclamation zu Gunsten der
Religionsgesellschaften ergangen war. Die neueren Verfassungs-
Urkunden, obschon sie zum Theil nur Grundzüge darbieten, deren
vollständige Ausführung noch eine Reihe specieller Gesetze erfordert,
Zeitschr. f. deutsch. Recht. 19. Bd. 1. H. 1

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