Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

Christian Friedrich Wurm. 483
einem so elenden Körper doch noch seines Daseins sich freuen könne;
die Kur konnte nicht mehr begonnen werden, ein sanfter Tod schloß
den 2. Febr. 1859 „das Leben und Wirken eines edlen deutschen
Mannes."
Bei der Anhänglichkeit, welche unser theurer Verstorbener nicht
blos für seine Verwandten und Freunde in Württemberg, sondern
überhaupt für die engere Heimath bewahrte, könnte es auffallen,
daß seine große, dem Gemeinwohle zngewandte Thatkraft niemals
dort eine dienstliche Verwendung fand. Es waltete darüber ein
eigener Unstern. Im Jahr 1829 hatte sich sein früherer Lehrer,
der Theologe Dr. Stendel, brieflich bei ihm erkundigt, ob er als
Professor der englischen Sprache für eine neu zu kreirende Stelle
in Tübingen zu gewinnen wäre. Wurm erklärte sich bereit, einem
Rufe der Behörde zu folgen; als aber keine weitere Nachricht ein-
lief, nahm er 1833 die Stelle in Hamburg an. Zwei Monate
darauf wurde von dem württembergischen Ministerium bei ihm an-
gefragt, unter welchen Bedingungen er eine Lehrstelle der neueren
Sprachen in Tübingen annehmen wurde; aber jetzt konnte er nicht
in Hamburg sogleich wieder zurücktreten, er lehnte also ab. Im
Jahr 1848 stellte er sich dem Ministerium des Kirchen- und Schul-
wesens (Psizer) zur Verfügung; seine Wahl nach Frankfurt hinderte
jedoch, davon alsbald Gebrauch zu machen. Nach dem Tode Fal-
lati's in Tübingen im Jahr 1855 wurde er von der staatswirth-
schaftlichen Fakultät und dem Senate für den Lehrstuhl der Stati-
stik, Geschichte und Politik vorgeschlagen; Wurm war bereit, zu
kommen, aber das Ministerium erklärte, darauf nicht eingehen zu
können. Das Hinderniß lag in einer Verstimmung, welche einige
Briefe, die man bei dem Schriftsteller Diezel in Göppingen gefun-
den, wider ihn erzeugt hatten. Wurm war von Diezel wie von
andern Württembergern in Hamburg besucht worden, und, ohne
Konformität der Ansichten zu fordern, leistete er ihm einen wesent-
lichen Dienst. Daran mag sich die Dankbarkeit des talentvollen,
aber schwankenden jungen Mannes geknüpft haben. Die Briefe
Wurm's kennen wir nicht; indessen scheint nach einem amtlichen
Schreiben vom 6. Mai 1854 eine Stelle, worin er sich als Ver-
fasser der an Lord John Russell gerichteten Denkschrift bekannte,
ihm hauptsächlich geschadet zu haben. In seiner Antwort wies
Wurm unter Bezugnahme auf seirr öffentliches Leben und seine
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