Full text: Volume (Bd. 19 (1859))

454 Die kurhessische VerfaffungSangelegenheit.
teren besonderen Eid hat ableisten lassen, daß er einem landes-
herrlichen Befehle, welcher eine dem Inhalte dieses besonder»
Eides zuwiderlaufende Handlung verlange ( — z. B. darüber,
daß er gewisse zu Befriedigung eines Dritten bestimmte Ne-
venüen auch trotz erfolgenden anderweiten landesfürstlichen
Befehls nicht zu einem andern Zweck verwenden werde —), so
wird der Fürst den Civildiener, welcher diesem seinem besonder»
Eide gemäß gewissenhaft handelt und einen demselben zuwider-
laufenden landesherrlichen Befehl nicht befolgt, gewiß nicht
deßhalb'tadeln können. Der von einem Offizier auf Befehl
seines obersten Landes- und Kriegsherrn neben dem allgemeinen
Fahneneid noch besonders für die Anfrechthaltung der Ver-
fassung geleistete Eid kann doch aber wohl nicht weniger heilig
sein, als jener vom Civildiener geleistete.
Die stärkste und interessanteste Rechtfertigung hat das kür-
hessische Offizier-Corps freilich dadurch erhalten, daß der deutsche
Bund selbst durch seine Kommissäre es noch für rechtlich nothwendig
erkannt hat, die kurhessischen Offiziere von ihrem auf die Verfassung
von 1831 geleisteten Eid ausdrücklich durch eine besondere, als Gesetz
promulgirte Bestimmung zu entbinden. Bei unbefangener Erwä-
gung der Verhältnisse kann den kurhessischen Offizieren, welche lie-
ber ihren Abschied nehmen, als mit ihrem geleisteten Eide in Kon-
flikt kommen wollten, in der That nur eine allseitige Anerkennung
gezollt werden; und gerade diese Offiziere müssen als Männer be-
trachtet werden, welche^ vorzugsweise in allen Lagen deS Lebens als
wahrhaft zuverläßige und treue Krieger sich bewähren werden ,7).
In der jetzigen Zeit, nachdem der jugendlich muthige Kaiser
von Oesterreich für Heilighaltung des Rechts selbst das Aeußerste
einzusetzen sich nicht bedacht, und der gewissenhafte Prinz-Regent
von Preußen die Achtung des Rechts in Deutschland als das höchste
Ziel seiner Regierung hingestellt hat, darf man wohl die Hoffnung
hegen, daß dem hessischen Volke sein Recht werde zu Theil werden,
und dieses kann nur in der einfacher Weise geschehen, daß
der deutsche Bund die kurhessische Verfassung von 1831 (mit

17) Mehrere dieser Offiziere sehen noch jetzt der Zukunft, wo ihre und der
' Ihrigen Mittel erschöpft sein werden, mit Sorge entgegen. Andere haben
au-wärt» eine Anstellung gefunden.

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